Samstag, 20. September 2008
Dass das Autofahren in Kiew gefährlich sein kann, ist ja nicht wirklich eine neue Tatsache. Gemeinhin denkt man aber wohl v.a. an das unzivilisierte Fahren der Verkehrsteilnehmer, welche die Strassenverkehrsregeln mehr als Empfehlung empfinden. Wie aber nachfolgende Bilder zeigen, gibt es daneben durchaus noch andere Gefahren auf den Strassen Kiews, welche doch etwas "ungewohnt" sind für westliche Autofahrer.
In Kiew kann es nämlich durchaus vorkommen, dass zum Beispiel ein Deckel für ein Kanalisationsschacht plötzlich verschwunden ist (siehe Bild oben). Oder es gibt aus sonst einem mir nicht erklärbaren Grund einfach ein Loch auf der Strasse (siehe Bild unten). Es kann dann aber vorkommen, dass nette Menschen zum Beispiel einen grossen Ast in das Loch stecken um die Autofahrer zu warnen. Dass um ein Loch herum wie im Westen eine richtige Absperrung aufgestellt wird, habe ich ehrlich gesagt noch nie gesehen. Vor allem in der Nacht, mit der sonst schon oft sehr minimalistischen Strassenbeleuchtung, muss man auf kleinen Strassen auch noch auf diese Löcher aufpassen... Sehr aufmerksames Autofahren ist in der Ukraine absolut unabdingbar.
Donnerstag, 18. September 2008
Der Palin Effekt
Nachfolgende Grafik habe ich heute von einem ukrainischen Arbeitskollegen per Email erhalten, welches ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Das e-Mail hatte den Titel "Den Palin Effekt betrachten" und hat natürlich offensichtlich einen Bezug zur ukrainischen Geschichte...

Der Palin Effekt
PS: Sarah Palin (vorne, mitte) ist die republikanische Kandidatin für das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten. Sie ist die "Running Mate" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain (hinten, links), der dem amtierenden US-Präsidenten George W. Bush (hinten, rechts) nachfolgen soll.
Kategorien: Kommentare, Politik
Sonntag, 14. September 2008
Am Kiewer Busbahnhof
Bekanntlich ist ja die Ukraine für europäische Verhältnisse ein flächenmässig grosses Land. Will man von Kiew zum Beispiel nach Odessa reisen, so muss man reine Luftlinie 444 km zurück legen, oder nach Lemberg (Lviv) 465 km, nach Donezk 591 km und nach Simferopol auf der Krim gar 666 km.
Deshalb ist Reisen innerhalb der Ukraine auch ein grosses Thema für die Bevölkerung und die folgenden Verkehrsmittel werden dabei verwendet: Zug, Autobus, Auto und Flugzeug. Die letzten beiden Verkehrsmittel werden dabei eher vom reicheren Teil der Bevölkerung verwendet. Grosse Distanzen mit dem Auto in der Ukraine zurück zu legen ist in Anbetracht der Tatsache, dass es fast keine Autobahnen gibt, auch nicht ganz unproblematisch (siehe hierzu mein Reisebericht "Mit dem Auto nach Donezk"). Und auf den Inlandflügen sind die Flugzeuge oft recht alt und die Preise schon recht teuer (siehe Artikel "Fliegen innerhalb der Ukraine" - unterdessen kostet aber ein Flugticket hin und zurück USD 400...). Zugsreisen sind zwar billig, aber die Züge in der Ukraine haben sehr altes Rollmaterial aus den 60-er Jahren, noch mit 6-er Abteilen, und Zugsreisen sind deshalb nicht vergleichbar mit Zugsreisen in der Schweiz oder Deutschland.
Reisen mit dem Autobus ist deshalb eine Alternative (siehe auch "Distanzreisen mit dem Bus"). Je nach Anbieter sind dabei die Busse ebenfalls aus den 60-er Jahren oder top-modern mit Ledersesseln, Fernsehen und Klimaanlage. Gute Busse fahren dabei fast ohne Zwischenstopps. Nur alle zwei bis drei Stunden gibt es eine kurze Pause um sich die Füsse zu vertreten.
In allen Städten hat es deshalb in der Ukraine einen Busbahnhof. Diese Gebäude stammen dabei meistens aus den 60-er Jahren und haben deshalb eine spezielle Atmosphäre. Und sogar in der Hauptstadt der Ukraine ist der Busbahnhof noch im "Originalzustand". Nur die Aussenseite des nicht gerade schönen Gebäudes wurde komplett mit Reklame verkleidet. Dies liegt wohl daran, dass der Kiewer Busbahnhof am Moskauer Platz (пл. Московская) liegt, einem Verkehrsknotenpunkt mit viel Verkehr und der schon seit längerem total umgebaut wird und deshalb eine riesige Baustelle ist.
Auch am Busbahnhof hat es ein hektisches Treiben und auf dem Platz kommen andauernd Autobusse an oder fahren ab. Neben den Distanzbussen hat es hier auch Autobusse in die kleineren Städte der Kiewer Region. Und gibt es keine Zugverbindung, ist dies oft das einzige Verkehrsmittel. Oft sieht man hier auch Leute vom Lande, die mit riesigen Taschen ihre Waren in die Hauptstadt zum Verkauf bringen.
Kategorien: Alltagsleben, Reisen
Samstag, 13. September 2008
Chinesische Autos in Kiew
Es ist immer wieder interessant, in Kiew die Autos etwas genauer anzuschauen. Und damit meine ich nicht etwa die vielen Luxusautos, die es hier gibt. Und diesmal meine ich auch nicht die sowjetischen oder russischen Autos, von denen ich früher ja schon geschrieben habe. Ich spreche von den schon recht vielen chinesischen Autos, die man auf den Strassen von Kiew sieht, und die man ja noch nicht in Westeuropa kaufen kann.
Vermutlich sehen die Chinesen den rasant wachsenden ukrainischen Automarkt (in der Ukraine werden am 4.-meisten Neuwagen in Europa verkauft) als einen Testmarkt für ihre neuen Fahrzeuge. Die bekanntesten Marken, die man dabei auf den Strassen von Kiew sieht, sind:
- Chery
- Great Wall
- Geely
Aber warum kann man eigentlich noch keine chinesischen Autos in Westeuropa kaufen? Schliesslich sind die Autos gerade mal halb so teuer wie "vergleichbare" bekannte Automarken? Verhindert dies die eingesessene Autolobby? Oder sind es Sicherheitsbedenken? Oder sind es Copyright-Probleme (Der Chery Tiggo sieht wirklich fast wie der Toyota RAV4 aus...). Und ich mag mich noch wage an die Zeit erinnern, als die Japaner (und später Koreaner) den Schweizer Automarkt eroberten. Auch hier wurden ähnliche Argumente gegen die Japaner wie nun gegen die Chinesen verwendet.
Ich zumindest finde es interessant, dass ich hier auf den Strassen Autos anschauen kann, die man in Westeuropa noch nicht kennt. Und sicher ist, dass der tiefe Preis mit ein Grund für den Erfolg dieser Autos hier in der Ukraine ist. Ein weiterer Grund sehe ich in der Tatsache, dass die Chinesen gerne Geländewagen bauen, die hier in der Ukraine ungemein beliebt sind.
Ehrlich gesagt habe ich auch kurz mit dem Gedanken gespielt, ein chinesisches Auto zu kaufen. Irgendwie wäre das ja schon noch speziell gewesen. Aber zwei Gründe haben mich davon abgehalten. Erstens hätte ich Probleme, das Auto in die Schweiz mit zu nehmen, verlassen ich dann Kiew einmal (Zulassung, Garage). Und zweitens die Sicherheit: Nachdem ich einen Crashtest auf YouTube gesehen habe (der Motor war nach dem Crash auf den Knien des Fahrers...), und ich ja weiss, wie rücksichtslos hier in Kiew gefahren wird, habe ich mich dann doch für einen Europäer entschieden...
Kategorien: Alltagsleben
Sonntag, 31. August 2008
Fussball und Politik
Diese Woche fand in Kiew ein Fussballspiel zwischen Dynamo Kiew (Динамо Киев) und Spartak Moskau (Спартак Москва) statt. Traditionell sind die Fans dieser beiden Fussballclubs miteinader verfeindet. Aber vielleicht zeigt auch das Verhalten der Fans viel über die politische Befindlichkeit der Kiewer aus. So zeigten die Kiewer ein Plakat, auf dem folgendes geschrieben war: "Die Hauptstadt des Kiewer Rus begrüsst die Gäste aus der Provinz". Und des weiteren schwenkten die Dynamo Fans grosse georgische Fahnen...
Am Rande sei noch erwähnt, dass Dynamo Kiew 4:1 gegen Spartak Moskau gewonnen hat. Ich persönlich habe das Fussballspiel nicht gesehen, bin aber im Auto auf dem Weg nach Hause am Stadion vorbei gefahren und war beeindruckt, wie viele Polizisten vor dem Stadion gestanden sind.
Kategorien: Alltagsleben, Politik
Werbespot im Hinterhof
Heute Abend haben wir recht gestaunt, als plötzlich der Hinterhof trotz Dämmerung taghell erleuchtet war. Beim genäueren Hinsehen haben wir festgestellt, dass ein Haus, welches an den Hinterhof angrenzt, durch grosse Scheinwerfer erläuchtet wird. Und inmitten des Hinterhofs stand ein Polizeiauto.
Zuerst dachte ich, dass es sich hier um einen Tatort handeln könnte. Da nun meine Neugier als Gaffer geweckt worden war, wollte ich der Sache auf den Grund gehen und ging nun selbst auf den Hinterhof hinunter. Doch als ich mich dem "Tatort" näherte, stand dort ein grosser Lastwagen mit der Aufschrift "Fernsehen". Und als wir eine dort sitztende Person fragten, wass denn hier gedreht wird, sagt dieser achselzuckend, dass hier "nur" ein Werbespot gedreht wird...
Kategorien: Alltagsleben
Samstag, 30. August 2008
Kiewer Liebesbrücke
Beim Kreschtschatik Park (Крещатий парк), oberhalb des Europaplatzes (Эвропейвська площа) und ganz in der Nähe des Dynamo Fussballstadions, hat es in luftiger Höhe eine kleine Fussgängerbrücke über die Petrivska Allee/Parkstrasse (петрівська алея/Паркова дорога). Von dieser Brücke aus hat man dabei einen atemberaubenden Ausblick auf den Dnjepr und das linksufrige Kiew.
Ich kenne dabei dieser Brücke seit meinem ersten Besuch in Kiew im Jahr 2001. Und auch ich verbinde mit dieser Brücke romantische Erinnerungen. Als wir die Brücke nach langer Zeit wieder einmal aufgesucht haben, haben wir festegestelt, dass nicht nur wir diese Brücke romantisch finden... Kommt man auf die Brücke, steht dort auf den Boden folgende Auffordrung geschrieben:
"Stop! Liebesbrücke! Sprechen Sie die Wörter zärtlich aus, küssen Sie sich."
Auf der Brücke selbst, hängen am Geländer hunderte von Vorhängeschlösser aller Grössen und weisse Schlaufen, die mit den Namen der sich liebenden und dem Datum des Aufhängens beschriftet sind. Dies soll wohl symbolisch ein Schloss für die Liebe sein, damit sich die sich liebenden nicht wieder trennen können...
Wirklich ein wunderschöner Brauch, den ich so zum ersten Mal gesehen habe. Da alle Vorhängeschlösser, die ich gesehen habe, in diesem Sommer datiert wurden, denke ich, dass dieser Brauch noch nicht so alt hier in Kiew ist. Und da uns die Brücke ja auch sehr gut gefällt, haben wir uns vorgenommen, bei Gelegenheit auch ein Schloss an die Brücke zu hängen, solange es noch genügend Platz dort hat...
Kategorien: Alltagsleben, Sehenswürdigkeiten
Freitag, 29. August 2008
Danke, Angela!
Die Stammleser meines Blogs mögen sich vermutlich noch gut an die heftige Diskussion zu meinem Blog-Beitrag "Warum ist Deutschland gegen die Ukraine?" erinnern. Vielleicht hatte ich ja damals gar nicht so unrecht. Denn mit einer klaren Perspektive für einen NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens wäre es vermutlich nicht zum Kaukasus-Konflikt und neuem "Kalten Krieg" gekommen... Aber wenn das Wörtchen wenn nicht wär...
In den letzen Tagen musste ich recht staunen über die EU-Politiker. Dass die EU gemerkt hat, dass eine reale Gefahr von Russland gegen die Ukraine ausgeht, hat mich wirklich positiv überrascht. Und das Bundeskanzlerin Merkel ihre Meinung betreffend eines NATO-Beitritts der Ukraine geändert hat, wird nicht nur von mir hier in der Ukraine mit Genugtuung und Freude aufgenommen. Und dass der französische Aussenminister die Krim-Problematik (dort stationierte russische Schwarzmeerflotte, welche gegen Georgien eingesetzt wurde und einrussische Minderheit) anspricht und der britische Aussenminister sogar dieser Tage nach Kiew kam, wäre vor dem Konflikt undenkbar gewesen. Bisheriger Höhepunkt war die Aussage des EU Erweiterungs-Kommissars, dass der Ukraine eine klare Perspektive für den EU-Beitritt aufgezeigt werden muss.
Auch wenn ich denke, dass diese Ausssagen im unmittelbaren Eindruck der Krise gemacht wurden, sind die Töne doch neu. Es fragt sich aber, ob der Ukraine immer noch der NATO- und EU-Beitritt angeboten wird, wenn sich die ganze Lage wieder etwas beruhigt hat. Zu befürchten ist das leider. Nur gut, dass schon nächste Woche der EU-Sondergipfel und im Dezember der NATO-Gipfel stattfindet.
Im Moment ist natürlich der Kaukasus-Konflikt das grosse Thema hier in der Ukraine. Und das nicht nur hier in Kiew. Auch Freunde aus dem Osten des Landes beschäftigen sich intensiv damit. Ich frage mich, ob ein NATO-Beitritt der Ukraine unter dem Eindruck der Krise nun eine Mehrheit in der ukrainsichen Bevölkerung erlangt hat oder nicht. Leider gibt es im Moment noch keine neuen Umfragen dazu.
Heute haben wir im Büro eine Begebenheit disskutiert. Die russische Presse hat nach dem NATO-Gipfel in Bukarest von einem persönlichen Gespräch zwischen Wladimir Putin und George W. Bush berichtet. Dabei soll Wladimir Putin gesagt haben: "Verstehst Du denn nicht, George, die Ukraine ist nicht einmal eine Nation. Was ist die Ukraine? Ein Teil ihres Gebietes ist Osteuropa, und ein anderer Teil, ein beträchtlicher Teil, haben wir gegeben." Ich denke das sagt sehr viel über die Denkweise der russischen Elite aus. Und heute hat der russische Aussenminister von Moldawien, der Ukraine und der Krim gesprochen. Als wäre die Krim nicht integraler Bestandteil der Ukraine... Kein Wunder, dass man sich hier schon etwas Sorgen macht!
Auch wenn ich denke, dass diese Ausssagen im unmittelbaren Eindruck der Krise gemacht wurden, sind die Töne doch neu. Es fragt sich aber, ob der Ukraine immer noch der NATO- und EU-Beitritt angeboten wird, wenn sich die ganze Lage wieder etwas beruhigt hat. Zu befürchten ist das leider. Nur gut, dass schon nächste Woche der EU-Sondergipfel und im Dezember der NATO-Gipfel stattfindet.
Im Moment ist natürlich der Kaukasus-Konflikt das grosse Thema hier in der Ukraine. Und das nicht nur hier in Kiew. Auch Freunde aus dem Osten des Landes beschäftigen sich intensiv damit. Ich frage mich, ob ein NATO-Beitritt der Ukraine unter dem Eindruck der Krise nun eine Mehrheit in der ukrainsichen Bevölkerung erlangt hat oder nicht. Leider gibt es im Moment noch keine neuen Umfragen dazu.
Heute haben wir im Büro eine Begebenheit disskutiert. Die russische Presse hat nach dem NATO-Gipfel in Bukarest von einem persönlichen Gespräch zwischen Wladimir Putin und George W. Bush berichtet. Dabei soll Wladimir Putin gesagt haben: "Verstehst Du denn nicht, George, die Ukraine ist nicht einmal eine Nation. Was ist die Ukraine? Ein Teil ihres Gebietes ist Osteuropa, und ein anderer Teil, ein beträchtlicher Teil, haben wir gegeben." Ich denke das sagt sehr viel über die Denkweise der russischen Elite aus. Und heute hat der russische Aussenminister von Moldawien, der Ukraine und der Krim gesprochen. Als wäre die Krim nicht integraler Bestandteil der Ukraine... Kein Wunder, dass man sich hier schon etwas Sorgen macht!
Kategorien: Kommentare, Politik
Sonntag, 24. August 2008
Parade zum Unabhängigkeitstag
Am heutigen 24. August, dem Unabhängigkeitstag der Ukraine, und ukrainischen Nationalfeiertag, fand um 10:00 Uhr mitten im Stadtzentrum von Kiew auf dem Kreschtschatik-Boulevard eine grosse Militärparade statt.
Eine solche Parade findet zwar jedes Jahr statt, dieses Jahr war sie aber besonders gross. Schon am Dienstagabend und am Donnerstagabend war dafür geprobt worden. Dazu wurde das ganye Stadtzentrum gesperrt, was natürlich zu einem völligen Chaos des Feierabendverkehrs führte. Anstatt den üblichen 15 bis 20 Minuten, die ich zum nach Hause fahren brauche, brauchte ich mehr als zwei Stunden. Im Stadtzentrum ging es nur noch im Schritttempo vorwärts...
In Anbetracht des Georgien-Konflikts, der ja nicht allzu weit von der Ukraine entfernt ist, und wo das offizielle Ukraine klar Stellung für Georgien bezogen hat, war das ganze schon etwas speziell. Einen direkten Zusammenhang gibt es aber nicht, da diese Parade schon lange vor dem Ausbruch des Georgien-Konflikts geplant worden war.
Trotzdem musste ich an diesen Konflikt denken, und anscheinend war ich nicht der einzige. Gerade hinter mir sagte jemand, dass er hoffe, diese Kriegstechnik nur an einer Parade zu sehen... Wie recht er doch hatte! Denn die ehemals russische Krim mit der immer noch dort stationierten russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol birgt genügend Konfliktpotential mit den Russen. Bleibt nur zu hoffen, dass nun die Ukraine eine klare Beitrittsperspektive am nächsten NATO-Gipfel bekommt. Siehe hierzu auch meinen früheren Blogbeitrag mit reger Diskussion (Warum ist Deutschland gegen die Ukraine?). Frau Merkel scheint ja zum Glück nach dem Georgien-Konflikt lernfähig zu sein...
Ich war das erste Mal an einer solchen Parade und war überrascht, wieviel Leute diese sehen wollten. Ehrlich gesagt war es ein Problem, einen Platz mit Ausblick auf die Parade zu finden. Schlussendlich stand ich balancierend auf der Lehne einer Bank, von meiner Frau gestützt, damit ich nicht runter gefallen bin... Aber wie die Fotos belegen, hatte ich von dort aus einen relativ guten Blick auf die Parade.
Die ersten dreissig Minuten passierte relativ wenig. Anschienend hielt der ukrainische Präsident auf dem Maidan eine Ansprache, die ich aber nich hören konnte. Irgendwann ging es dann los und der ukrainische Verteidigungsminister und der Kommandant der Parade inspizierten die aufgestellten Truppen. Der Minister und der General fuhren dabei in alten sowjetischen ZIL Limousinen, welche ich eigentlich nur aus Dokumentarfilmen kenne... Der Wagen hielt jeweils vor den einzlenen Truppen der verschiedenen Waffengattungen an und die Soldaten sprachen einen Eid mit viel lauten "Hurra!" Schreien. Etwas, was man so nicht im Westen kennt...
Nach einer weiteren Pausen traten die Soldaten aus ihrer Formation am Rande des Kreschtschatik heraus und stellten sich in der Mitte des Kreschtschatik-Bouelevards zur Paradeformation auf. Nach einer weiteren Pause marschierten sie unter dem im Chor gesagten Kommando "eins, zwei, drei, vorwärts!" in Richtung Maidan davon.
Kurz nachdem die Soldaten vorbei marschiert waren, kam auch schon die "Militärtechnik" vorbeigerollt. Truppentransporter, Schützenpanzer, Kampfpanzer, Panzerhaubitzen, Flak-Panzer und sehr viele verschiedene Arten von Raketenwerfern.
Ich war ehrlich gesagt überrascht, wieviele verschiedene Arten von Raketen die ukrainische Armee hatte. Es war mir zwar bekannt, dass die ukrainische Armee die in der Ex-UdSSR typischen Mehrfachraketenwerfer hat, die auch jüngst im Georgien-Konflikt zum Einsatz kamen. Aber das die Ukraine auch über balistische taktische Raketen verfügt, hat mich doch etwas überrascht.
Am Schluss der Parade, nachdem alle Bodentruppen vorbei marschiert und gefahren waren, kam noch die Luftwaffe dran. Ich wusste dies schon im voraus, denn schon an zwei Tagen der vorangegangenen Woche sind Militärflugzeuge im Tiefflug über das Kiewer Stadtzentrum geflogen. Insgesamt ein wirklich sehr interessantes, aber auch spezielles Ereignis.
Sonntag, 27. Juli 2008
1020 Jahre Taufe des Kiewer Rus
An diesem Wochenende wurde in Kiew das 1020. Jubiläum der Taufe des Kiewer Rus gefeiert. Zur Erinnerung: Das Kiewer Rus war der mittelalterliche Vorläuferstaat der Ukraine, Russlands und Weissrusslands.
Natürlich ging das ganze nicht ohne politischem Geplänkel ab. Denn Präsident Juschtschenko hat hierzu Bartholomäus I., den Patriarchen von Konstantinopel und höchsten Würdenträger der orthodoxen Kirche überhaupt eingeladen. Denn anfänglich sollten nur Alexuis II., das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, und Filaret, das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen kommen. Klar, dass die beiden in der Ukraine konkurrierenden Kirchen also einen Schiedrsrichter brauchten, der die beiden Streithähne auseinander hielt...
Dabei hätte eigentlich Bartholomäus I. schon genügend Probleme, denn er muss gegen Anfeindungen des türkischen Staats kämpfen. So ermittelt der türkische Staat wegen Amtsmissbrauchs gegen ihn und die Türken lassen auch nicht die Wiedereröffnung der theologischen Hochschule von Chalki zu, und ohne diese Hochschule ist das Weiterbestehen des Patriarchats gefährdet.
Im Vorfeld dieses historischen Ereignisses wurde viel Werbung dafür im Stadtzentrum von Kiew gemacht. Obwohl, was ist am 1020. Jubiläum so speziell? Ich habe den leichten Verdacht, dass dieses Ereignis wieder einmal für politische Zwecke missbraucht werden sollte...
Kategorien: Geschichte, Politik
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