Sonntag, 11. Mai 2008

Kleine Details

Nachfolgend sechs Fotografien von kleinen Details aus dem ukrainischen und Kiewer Alltagsleben, die sonst vermutlich keine Beachtung finden würden.


Heldenstadt Kiew - an der Strasse vom Flughafen



Ukrainische Flaggen



Sowjetstern am Siegespark von Kiew



Sowjetische Einrichtung des Busbahnhofs von Odessa



Riesige Plakate am Siegesplatz in Kiew



Briefkästen in ukranischen Farben neben der Kiewer Hauptpost

Samstag, 10. Mai 2008

Mit dem Auto nach Donezk

Vorletzte Woche sind wir mit dem Auto nach Donezk (Донецк) gefahren, da die ganze Woche frei in der Ukraine war. In dieser Woche war sowohl Ostermontag als auch der 1. und 2. Mai (beides Feiertage). Somit war die ganze Woche frei, die beiden Arbeitstage werden aber an zwei Samstagen später noch nachgeholt.


Reiseroute von Kiew nach Donezk (anklicken für Grossbild)


Unsere Reiseroute führte dabei von Kiew über Krementschug (Кременчуг) und Dnepropetrowsk (Днепропетровск) nach Donezk und war 720 km lang. Die ganze Fahrt hat inklusive rund 2.5 Stunden Pausen 12 Stunden gedauert.


Ein der vielen Alleen, hier auf einem Damm


Die ganze Strecke führte dabei hauptsächlich über Landstrasse und nur knapp 100 km waren zweispurige Schnellstrassen. Auch wenn fast alles Landstrassen waren, gab es nur wenige Ortsdurchfahrten. Und eigentlich gab es nur in Krementschug und Dnepropetrowsk richtige Ortsdurchfahrten. Die anderen Ortschaften wurden nur am Rande gestreift... Da ja die Ukraine topografisch sehr flach ist, sind auch die Landstrassen sehr gerade mit wenigen Kurven. Und die Kurven haben meistens einen sehr grossen Radius, so dass man kaum abbremsen muss. Entlang der meisten Strassen hat es wunderschöne Alleen. Etwas unheimlich sind aber die Strassengräben, die es oft entlang der Strassen hat. Ehrlich gesagt kam es mit oft vor, als würde ich in Frankreich über das Land fahren...


Blick auf den Krementschug Stausee


In der Ukraine darf man ausserorts 90 km/h und auf Schnellstrassen 110 km/h fahren. In Anbetracht des zum Teil sehr schlechten Zustands der Strassen würde es bei höheren Geschwindigkeiten auch gefährlich werden...


Damm über Nebenarm des Krementschug Stausees


Auf den Landstrassen hat es relative viele Polizei- respektive Geschwindigkeitskontrollen. Einerseits hat es "versteckte" Kontrollen irgendwo am Strassenrand mit Laserpistole. In der Ukraine ist es aber Sitte, dass man den Gegenverkehr per Lichthupe darauf aufmerksam macht. Und dies ist wirklich sehr zuverlässsig und natürlich habe ich aus Dankbarkeit diese Sitte sofort übernommen. Andererseits hat es auch fest installierte Kontrollposten der Polizei, die DAI (ДАИ, Дорожная автоинспекция) heissen. An einem DAI muss man mit 50 km/h vorbeifahren. Die DAI liegen jeweils an strategisch wichtigen Punkten und stammen noch aus der Sowjetzeit. Viele DAI sind heute aber nicht mehr besetzt und verfallen langsam. Ich habe den Verdacht, dass mit diesen DAI in der Sowjetunion v.a. die Bevölkerung kontrolliert wurde.


Brücke in Krementschug über den Dnjepr


Tankstellen hat es sehr viele entlang der Schnell- und Landstrassen. Viele dabei sind sogar sehr modern mit Shop und einem kleinen Restaurant.


Blick von Kremenstchuger Dnjepr-Brücke an das Ufer


Die Route, welche wir gefahren sind, ist dabei sehr schön. Sie führt entlang der grossen Dnjepr-Staussen. Die Dnjepr-Stauseen sind dabei nach der Stadt mit dem Staudamm benannt (siehe auch Blogbeitrag über das Kiewer Meer). Wir sind dabei an den folgenden Staussen entlang gefahren (von Nord-Osten nach Süd-Westen):
  • Kaniwer Stausee (922 km² Fläche)
  • Krementschuger Stausee (2'252 km² Fläche)
  • Dniprodserschynsker Stausee (567 km² Fläche)
Der Krementschuger Stausee ist dabei der grösste Dnjpr Stausee überhaupt und hat eine mehr als viermal grössere Fläche als der Bodensee (Unter- und Obersee, 536 km²). Besonders imposant waren auch die Brücken in Krementschug und Dnepropetrowsk über den Dnjepr.


Berüchtigter Bahnübergang bei Krementschug


Natürlich macht man bei so einer Reise so seine Erfahrungen. Sicherlich werde ich den Bahnübergang bei Krementschug nicht vergessen. Natürlich war dort der Bahnübergang geschlossen, was ja normalerweise nicht so schlimm ist. Prompt fuhr auch ein über 1 km langer Güterzug vorbei. Die Barriere blieb aber weiterhin geschlossen und nach 10 Minuten kam ein kleiner Personenzug. Aber auch danach blieb die Barriere weitere 10 Minuten geschlossen und es fuhr eine einzelne Lokomotive durch. Natürlich fragte ich den Wärter, der aber nur sagte, dass der Bahnhog gesagt habe, er solle die Barriere geschlossen halten und er nicht wisse, wie lange es noch dauere. Und dies an einer Europastrasse! In der Zwischenyeit hatten etwa 20 Motorräder und Fussgänger den Bahnübergang passiert. Nach mehr als 45 Minuten verlor ich die Nerven und fuhr vorsichtig über den nur halb mit der Barriere geschlossenen Bahnübergang...


Bahnhof von Dnipropetrowsk


Interessant war auch die Durchfahrt durch die grosse Industriestadt Dnipropetrowsk mit mehr als 1 Million Einwohner. Neben Krementschug waren hier die Strassen am schlechtesten und zum Teil wirklich gefährlich für die Federung des Autos. Obwohl ich ja schlechte Luft aus Donezk kenne, war die Luft hier noch um einiges ätzender.


Stadtzentrum mit Stalin-Häusern


Dnepropetrowsk liegt direkt an einer Dnjepr-Kurve. Natürlich hat es auch einen grossen Flusshafen. Im Stadtzentrum entsteht ein richtig modernes Zentrum mit eindrücklichen Hochhäusern.


Skyline von Dnepropetrowsk


Nach Dnepropetrowsk folgt eine kurze Strecke mit zweispuriger Schnellstrasse entlang der Seen um Dnepropetrowsk. Obwohl erst anfangs Mai, hatte es jetzt schon sehr viele Mücken von den Seen die natürlich alle an unserer Autscheibe klebten... Die Strasse danach ist zum Teil wieder sehr schlecht. Und wenn es regnet, so bilden sich auf den ukrainischen Landstrassen zum Teil riesige Pfützen, die man fast Seen nennen könnte. Und sieht man sie bei Nacht nicht und fährt mit 90 km/h hinein, dann spritzt und rumpelt es enorm im Auto...


Blick von Dnjepr-Brücke von Dnepropetrowsk

Freitag, 9. Mai 2008

Tag des Sieges

Heute war in Kiew in der ganzen Ukraine ein Feiertag, der 63. Tag des Siegs (День победа) über Nazi-Deutschland. An diesem Tag wird vor allem den Veteranen gratuliert und gedacht, die im Krieg ihr Leben für die Verteidigung des Vaterlands eingesetzt haben.


Ein riesiges Plakat des Präsidenten zum Gedenken an den Tag des Siegs


In ganz Kiew werden anfangs Mai Plakate aufgehängt, die an den Tag des Siegs erinnern sollen. Dieses Jahr hat es besonders viele Plakate, da bald Wahlen für den Stadtrat von Kiew sind und so gratuliert natürlich auch der Präsident der Ukraine, der Bürgermeister von Kiew und auch die einzelnen Bezirksverwaltungen den Veteranen...


Ein kleineres Plakat der Bezirksverwaltung zum Tag des Siegs


In der Nähe wo wir wohnen befindet sich ja auch der Park des Ruhmes (Парк славы), der der Befreiung Kiews gewidmet ist. An diesem Tag wird der Park rege von der Bevölkerung und den Veteranen besucht.


Siegssäule im Park des Ruhmes am heutigen Tag des Siegs


Es gehört zur Tradition, an diesem Tag an der Siegessäule des Parks Blumen niederzulegen und auch wir gehen jedes Jahr an diesen Ort (letztjährige Blogbeiträge: 2006, 2007). Die Menge der Blumen, die dort niedergelegt wird, lässt sich kaum beschreiben. Ich habe noch nie an einem Ort so viele Blumen wir dort gesehen und ich habe den Eindruck, dass es jedes Jahr mehr werden...


Blumenmeer an der Siegessäule


Bekanntlich führt ja Russland jedes Jahr an diesem Tag eine Militärparade durch und heute haben die Russen zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion auch wieder Panzer über den Roten Platz rollen lassen. In Kiew gibt es auch eine kleine Parade auf dem Kreschtschatik, aber ohne Panzer und v.a. mit Veteranen. Nachfolgend möchte ich Euch noch das Video der ersten Siegesparade im Jahr 1945 von Moskau zeigen (4 Teile) - in Farbe sogar!



Und nachfolgend auch noch die heutige Parade in Moskau in gesamter Länge (7 Teile).



  • Blog: Tag des Siegs 2006: Link
  • Blog: Tag des Siegs 2007: Link

Sonntag, 20. April 2008

Kiewer Afghanistan Denkmal

Unmittelbar neben der Kiewer Lawra, sozusagen auf deren Vorplatz, befindet sich das Kiewer Denkmal der ukrainischen Opfer des (sowjetischen) Afghanistan Krieges von 1979 bis 1989. Der Grund für diese Lage liegt aber weniger an der Lawra, sondern an der Tatsache, dass sich ganz in der Nähe auch die Gedenkstätte für den Grossen Vaterländischen Krieg (Mat Rodina) befindet.


Das Kiewer Denkmal für den Afghanistan Krieg


Bekanntlich marschierten am 25. Dezember 1979 sowjetische Truppen in Afghanistan ein und die letzten sowjetischen Truppen verliessen das Land erst wieder am 15. Februar 1989. Während dieses (ersten) Krieges in Afghanistan wurden 14'453 sowjetische Soldaten getötet, darunter auch sehr viele Ukrainer, denen hier gedacht wird.


Gedenkplatte


Das Monument wurde 1994 errichtet und die zentrale Skulptur wurde vom ukrainischen Künstler Nikolai Olenik (Николай Оленик) gestaltet.


Gedenkplatte mit Namen von Opfern


Im Zentrum der Anlage steht eine Skulptur mit drei sowjetischen Soldaten. Rund herum sind Gedenkplatten mit den nach Oblasten aufgeteilten Namen der ukrainischen Kriegsopfer. Sehr eindrücklich finde ich auch, dass es eigentlich immer frische Blumen bei diesem Monument hat - Kränze vor der Skulptur, einzelne Blumen auf den Gedenksteinen. Der Krieg ist also noch sehr im aktiven Bewusstsein der Kiewer Bevölkerung.


Detailansicht der zentralen Skulptur


Auch mir ist klar, dass diese mit Russland gemeinsame traumatische Erfahrung des Afghanistan Krieges einen NATO-Beitritt der Ukraine nicht vereinfacht, obwohl ich hier wirklich nicht wieder eine Diskussion zu diesem Thema starten will... ;-)


Überblick der Gedenkstätte mit Lawra im Hintergrund


Einen sehr eindrücklichen Film über die sowjetische Perspektive des Afghanistan Kriegs ist der neue russische Film "Die neunte Kompanie" ("9 рота") des ukrainisch stämmigen Regisseurs Fjodor Bondartschuk (Фёдор Бондарчук). Der Film ist in etwa das russische Gegenstück zum amerikanischen Vietnamflim "Apocalypse now" und ich kann wirklich nur empfehlen ihn anzuschauen...

Montag, 31. März 2008

Warum ist Deutschland gegen die Ukraine?

Bei der gegenwärtigen Diskussion um einen möglichen Beitritt der Ukraine in den "NATO Aktionsplan" - einer Vorstufe der NATO-Mitgliedschaft, ist Deutschland einer der grössten Gegner einer Mitgliedschaft der Ukraine. Diplomatisch heisst es zwar, Deutschlands Haltung sei "zurückhaltend" – was aber undiplomatisch nichts anderes als Ablehnung bedeutet.

Bekanntlich ist die Ukraine ein Land, das über Jahrhunderte von den Russen dominiert wurde und erst seit knapp 17 Jahren unabhängig ist. Russland betrachtet aber die Ukraine bis heute noch als seinen Einflussbereich. Der Gasstreit anfangs Jahres und Einflussnahme auf eigenständige ukrainische Geschichtsschreibung (Holodomor), um nur einige zu nennen, zeugen davon.

Genau wie die Balten, die ebenfalls Bestandteil der Sowjetunion waren, suchen nun auch die Ukrainer die Nähe zur NATO um so ihre Unabhängigkeit langfristig zu garantieren.

Es stimmt, das im Moment nur eine Minderheit der Bevölkerung für den NATO-Beitritt ist. Dies aber nur deshalb, weil der grosse Teil der ukrainischen Bevölkerung noch nicht eingesehen hat, dass der Weg zur EU nur über die NATO führt. Die Osterweiterung der EU hat diesen Weg ganz klar gezeigt. Oft wird aber in der heutigen Ukraine für kurzfristige politische Zwecke mit den Feindbildern des Kalten Kriegs gegen die NATO agitiert.

Ein Beitritt der Ukraine in den "Nato Aktionsplan" wäre ein starkes Signal des Westens an die Ukraine und eine Honorierung der demokratischen Errungenschaften der letzten Jahre. Die Ukraine wartet sehnsüchtig auf solche Signale der Unterstützung aus dem Westen. Da bisher die Signale von der EU ausgeblieben sind, wäre es nun an der Zeit, dass die NATO ein solches starkes Signal sendet.

Die Ukraine hatte im durch Deutschland verursachten Zweiten Weltkrieg 10 Millionen Opfer (bei rund 40 Millionen Einwohnern) zu beklagen. Sowohl absolut als auch relativ gesehen eine unfassbare Zahl an Opfern. Und ich verstehe auch nicht, weshalb sich Deutschland nun zum Advokaten der russischen Hinterhofspolitik macht. Oder ist diese falsche Rücksichtnahme wirtschaftlich motiviert? Und anstelle mit der urchristlichen Ukraine über einen EU-Beitritt zu verhandeln, hat sich Deutschland für Beitrittsverhandlungen mit der Türkei stark gemacht.

Der Plan einer "neutralen Zone" zwischen Russland und der EU gab es auch schon einmal zwischen den beiden Weltkriegen. Was daraus geworden ist wissen wir alle, besonders die Staaten Zentraleuropas…

Ich bin gespannt auf Euer Feedback zu meinem etwas emotionalen Beitrag...

Sonntag, 9. März 2008

Butterwoche in Kiew

Vom Montag, 3. März bis heute Sonntag, 9. März war die Butterwoche (Масленица = Masleniza) in Kiew. Als Masleniza bezeichnet man die Woche vor Beginn des grossen Fastens vor Ostern. Der Name rührt daher, dass in dieser Woche den orthodoxen Gläubigen der Verzehr von Fleisch bereits untersagt, aber der von Milch, Milchprodukten, Eiern und Fisch noch erlaubt ist.


Maxim Rylksy Monument am Eingang zum Goloseewski Park

Auf vorchristliche Traditionen zurückgehend, war die Masleniza bis zum 16. Jahrhundert eine Art ausgedehntes Neujahrsfest oder mit unserem Silvester vergleichbar und entwickelte sich zu einem Fest zur Verabschiedung des Winters und zur Begrüssung des Frühlings.


Strasse entlang des Golseewski Parks


Die Masleniza ist ein sehr ausgelassenes Fest, bei dem vor dem grossen Fasten nochmal ausgiebig der Völlerei gefrönt wird. In ihrer traditionellen Form ist sie mit verschiedenen Brauchtümern verbunden, die zum Teil an feste Tage im Wochenlauf geknüpft waren.


Stände und Riesenrad im Park


Eine an der an der Masleniza besonders beliebte Speise sind die Blini (Блины), eine Art osteuropäsicher Crêpes. Blini gibt es mit süssen (Quark, Marmelade, Honig, Schokoladencreme) und salziger Füllung (Hackfleisch, Kaviar).


Offene Restaurants im Kiewer Winter


In Kiew findet ein Teil der Masleniza Feiern im Gloseewski Park (Голосеевский парк) im Süd-Westen der Stadt statt. Man findet dabei die Stände ganz in der Nähe des Haupteingangs des Parks (beim Maxim Rylksy Monument). An den Ständen kann man dabei alle möglichen Speisen und Getränke kaufen. Ebenfalls normal ist es, die Speisen und Getränke gleich draussen an Tischen oder im Gehen zu Essen - obwohl es erst März ist und des dann auch noch sehr kalt in Kiew sein kann. Zum Glück war es aber mit 8 Grad gestern Samstag sehr warm. Nur der leichte Regen hat etwas gestört...


Zubereitung von frischen Blini

  • Web: Mehr Infos über die Masleniza: Link
  • Blog: Goloseewski Einsiedelei: Link
  • Blog: 1. August Feier in Kiew: Link

Sonntag, 10. Februar 2008

Ukraine Werbespot

Auf der überarbeiteten Krusenstern Website habe ich diesen schönen Ukraine Werbespot gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Wohl den besten Standortmarketing Werbespot zum Thema Ukraine, den ich bisher gesehen habe. Zwar etwas amerikanisch, dafür aber wirklich sehr professionell gemacht.

Dienstag, 29. Januar 2008

St. Wladimirskathedrale

Die St. Wladimirskathedrale (Кафедральный собор Святого Владимира, Владимирский собор) befindet sich im Zentrum von Kiew am Taras Schewtschenko Boulevard. Die Kathedrale ist dabei die Hauptkirche (oder Mutterkirche) der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats. Gweiht ist die Kirch dem Kiewer Grossfürsten Wladimir dem Heiligen (Владимир Святославич, 960-1015), unter dem das Kiewer Rus christianisiert wurde.


Die St. Wladimirskathedrale


In der Ukraine, wo alles politisch ist, musste natürlich auch die Religionsfrage politisiert werden, weshalb es eine Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats (siehe Wikipedia) und eine Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (siehe Wikipedia) gibt. Diese Beiden Kirchen (neben noch weiteren) sind die grössten Kirchen der Ukraine.


Portal/Front der St. Wladimirskathedrale


1852 regte der Moskauer Metropolit Filaret (Филарет) den Bau einer grossen Kathedrale an, um das 900. Jubiläum der Taufe Russlands, welche bekanntlich ja in Kiew stattfand, zu feiern. Im ganzen zaristischen Russland wurde Geld gesammelt, so dass 1859 das benötigte Geld vorhanden worden war. Das Kiewer Höhlenkloster (Lawra) produzierte als Geschenk eine Million Ziegelsteine. Die Kathedrale wurde bis 1882 im byzantinischen Stil errichtet, wobei sich das Kreuz auf der Hauptkuppel 49 Meter über dem Boden befindet. Die komplette Innengestaltung dauerte bis 1896, da venezianische Künstler kunstvolle Mosaike anbrachten und bekannteste russische Maler die Fresken malten.


Innenansicht der St. Wladimirskathedrale


Die Kathedrale wurde 1920 im Polnisch-Sowjetischen Krieg beschädigt. Bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich darin ein Museum über Religion und Atheismus. Vor der Zerstörung der Uspensky Kathedrale der Lawra wurden Relikte der Heiligen Barbara (3. Jahrhundert) in die St. Wladimirskathedrale überführt und befinden sich seitdem hier. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kathedrale wieder eröffnet und seitdem nie mehr geschlossen. In der Sowjetzeit wurden in der Kathedrale orthodoxen Messen abgehalten, welche sogar von Touristen besucht werden konnte, was eine absolute Ausnahme in der damaligen Sowjetunion war.


Hauptkuppel und Nebenkuppel der Kathedrale


Nach der Unabhängigkeit der Ukraine stritten sich die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats um die Kathedrale, schlussendlich wurde sie aber der Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats zugesprochen.


Gottesdienste werden in der Kathedrale heute ausschliesslich auf ukrainisch von den höchsten Würdenträgern der Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats gehalten und der Kirchenchor gilt als einer der besten der Ukraine - oft unterstützt durch Opernsänger.


Taras Schwetschenko Boulevard
in Richtung Stadtzentrum

Samstag, 19. Januar 2008

Schlange Stehen für Sowjet Konti

In diesen Tagen dominiert ein Thema die ukrainischen Medien: Die Auszahlung von UAH 1'000 (= USD 200) pro Person als Kompensation für vernichtete Spareinlagen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Im Moment bilden sich deshalb auch eindrückliche Schlangen mit anstehenden Rentnern vor der staatlichen Oschadbank (Ощадбанк = Sparkasse), der ukrainischen Rechtsnachfolgerin der damals zusammengebrochenen sowjetischen Sberbank (Сбербаннк).


Anstehende Rentner diese Woche vor einer Oschadbank


Doch was soll hier eigentlich kompensiert werden? Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den ersten Jahren der ukrainischen Unabhängigkeit gab es in der Ukraine die Behelfswährung Kupon (Купон) als Ersatz für den sowjetischen Rubel. Zwischen 1991 und 1995 finanzierte der Staat Budgetdefizite zum grossen Teil mit Krediten der ukrainischen Zentralbank, was zwangsläufig zu einer Hyperinflation führen musste. Da fragt sich nur, was für ein Idiot die damaligen Präsidenten finanzpolitisch beraten hat...


100'000 ukrainische Kupon


Die Konsequenz war eine jährliche Inflation von bis zu 10'155% (!!!) und die Zentralbank kam nicht mehr nach mit noch grösseren Kupon-Noten zu drucken. Zur Illustration: Kostete ein Cheesburger im Dezember 1992 0.99 Kupon, so kostete dieser im Dezember 1993 schon 101.52 Kupon. Da die Zinsen dieser galoppierenden Inflation nicht folgen konnten, verfiel der Wert der Spareinlagen aus Sowjetzeiten fast vollständig.


Hyperinflation zwischen 1991 und 1997


Die neue ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko (Юлія Володимирівна Тимошенко) hat nun vor den letzten Parlamentswahlen versprochen, diese verloren gegangenen Spargelder teilweise auszuzahlen. Schon verschiedene Politiker haben dies zwar auch schon versprochen, aber keiner hatte dieses Versprechen je nach Wahlen auch eingehalten. So war es auch nicht verwunderlich, dass Julias versprechen vor den Wahlen von den meisten Beobachtern als populistisch abgetan wurde.

Für die meisten Beobachter ist es deshalb auch überraschend, dass diese Wahlversprechen nun so schnell realisiert wird. Dieses Jahr sollen insgesamt UAH 6 Milliarden (= USD 1.2 Milliarden) an Kompensationen in Bargeld an 6 Millionen Menschen ausgezahlt werden. Über die nächsten Jahren sollen insgesamt UAH 130 Milliarden (= USD 26 Milliarden) ausgezahlt werden. UAH 14 Milliarden (= USD 2.8 Milliarden) sollen als Bankguthaben kompensiert werden. Finanziert wird alles über das laufende Budget. Alle diese Zahlungen sind Schätzungen, da anfangs der 1990-er Jahre die Bankkonten in der Ukraine noch von Hand geführt wurden. Kritiker befürchten nun, dass durch diese Zahlungen die jetzt schon hohe Inflation (2007: 16.6%) noch mehr angeheizt werden könnte. Ich stufe diese Gefahr aber als relativ klein ein, da die Inflation von anderen Faktoren getrieben wird und der Betrag pro Person doch relativ klein ist.

Diese Kompensation ist ausserdem einmalig in der ehemaligen Sowjetunion. Die Ukraine ist das erste Land der ehemaligen Sowjetunion, welches eine solche Kompensation effektiv auch realisiert.

Da für ukrainische Rentner USD 200 ein beträchtlicher Betrag darstellt und diese auch mehr Zeit als die Werkstätigen haben, ist es nicht verwunderlich, dass vor allem diese Bevölkerungsruppe nun vor den Sparkassen steht. Andererseits hat die Bevölkerung (noch) kein Vertrauen in diese Ankündigung und will das Geld so rasch als möglich sichern.
  • Blog: Das liebe Geld: Die ukrainsiche Griwna UAH: Link
  • Web: NZZ: Kompensation für verlorene Bankguthaben: Link
  • Web: Hyperinflation in Ukraine (PDF): Link
  • Web: Krusenstern über meinen Beitrag: Link

Dienstag, 15. Januar 2008

Ferienbericht Ägypten

Wie versprochen melde ich mich kurz mit ein paar Ferienfotos und einigen Kommentaren von meinen Ferien in Ägypten zurück.


Yachthafen bei Hurghada


Die Hinreise war eine Tortur, denn nachdem wir schon eingecheckt waren, erfuhren wir, dass der Flug zwei, danach sogar drei Stunden Verspätung hatte. Das typische halt für Charterflüge... Und natürlich herrschte auf dem Flughafen Borispol Hochbetrieb, so dass wir zuvor fast keinen Parkplatz gefunden hatten... Schlussendlich konnten wir dann aber doch noch um 01:00 in der Nacht unser Hotelzimmer in Hurghada beziehen. Und zum Glück hat unsere dreijährige Tochter die Reise wirklich gut mitgemacht und auch gut überstanden.


Hurghada


Das Hotel war wie erwartet zu 90% in russischer respektive ukrainischer Hand. Die Angestellten sprachen mit Abstand am besten Russisch, so dass ich es nach einer gewissen Zeit aufgab, Englisch oder gar Deutsch zu sprechen. Das Hotel war ein "gehobenes Pauschalhotel" und insgesamt wirklich in Ordnung. Nur dass die Kellner die noch halb-vollen Teller bei der kleinsten Pause sofort vom Tisch nehmen wollten ging mir wirklich auf die Nerven...


Ich im Roten Meer


Auch das Wetter war mit tagsüber 20 bis 25 Grad und jedem Tag Sonne wirklich in Ordnung. Auch das Meer war knapp über 20 Grad warm. Da es aber immer etwas Wind hatte, ging ich nur einmal im Roten Meer schwimmen. Die Wasserqualität im Roten Meer ist wirklich einmalig - so klares und türkisblaues Wasser habe ich noch selten gesehen. Etwas gewöhnungsbedürftig waren die Mücken im Januar - etwas, was ich im kalten Kiew überhaupt nicht vermisse...


Eines der vielen Korallen-Riffe


Hurghada selbst ist eine künstliche, moderne Stadt, in welcher die grossen Hotelanlagen den grössten Teil der Küste in Beschlag nehmen. Zu dieser Jahreszeit ist Hurghada fest in russischer Hand. Nicht nur in unserem Hotel, sondern überall, wird fliessend Russisch gesprochen. Apotheken und Geschäfte sind auf Russisch angeschrieben und in jedem Restaurant gibt es die Menukarte auf Russisch. Nur im nördlichsten Teil hat es Quartiere mit "Einheimischen" und etwas weniger Touristen. Die Fischrestaurants sind ausgezeichnet. An das ewige Handeln ("märkten") in den Geschäften und die aggressive "Anmache" der Händler musste ich mich erst wieder gewöhnen (ich war vor genau sechs Jahren schon in Sharm El Sheik). Und natürlich mussten wir auch eine Wasserpfeife kaufen...


Hotel in der El Gouna Lagune


Das Highlight unseres Urlaubs war der Besuch von Luxor. Der Trip hat von 05:00 bis 23:00 Uhr gedauert (mit unserer Tochter) und war schon etwas strapaziös... Verrückt ist auch, dass wir mit einer Kolonne von etwa 30 Bussen vier Stunden durch die Gebirgswüste gebrettert sind - eskortiert von Polizeifahrzeugen und mit abgesperrtem Verkehr. Da kommt man sich schon etwas seltsam vor...


Luxor-Tempel


Aber dafür kriegt man auch einmalige Denkmäler zu sehen. Besonders beeindruckt hat mich der Luxor-Tempel, das Tal der Könige und das Niltal an und für sich. Das knapp 20 km breite und äusserst grüne Niltal umgeben von absolut trockenen Gebirgszügen und danach nur Wüste ist schon sehr eindrücklich.


Die Memnonkolosse


Da wir wegen unserer Tochter nicht ganz so schnell waren wie der Rest unserer (natürlich Russisch sprechenden) Reisegruppe, wurden wir im Tal der Könige sitzen gelassen. Nach kurzem protestieren holte uns aber unser Bus dort wieder ab...


Im Tal der Könige


Der Tempel der Hatschepsut hat mich insofern auch noch zusätzlich berührt, als hier vor fast genau zehn Jahren 58 Menschen, darunter 35 Schweizer, bei einem Terroranschlag erschossen wurden.


Tempel der Hatschepsut


Die Rückreise nach Kiew verlief hingegen ohne weitere Wartezeiten. Und da ich unfreiwillig etwas am Flughafen schmierte (ja, so etwas gibt es...), waren wir in einer Rekordzeit eingecheckt. Nur flogen wir erst um 20:30 (planmässig) ab, so dass das Flugzeug erst um 00:45 in Kiew landete und wir erst gegen 02:30 zu Hause waren. Aber auch bei dieser Reise hat unsere Tochter uns nicht im Stich gelassen.


Ich (etwas müde) auf einer Nil-Brücke