Samstag, 20. Oktober 2007

Wahlen in der Schweiz

Nur drei Wochen nach den Parlamentswahlen hier in der Ukraine finden auch in meiner Heimat, der Schweiz, an diesem Wochenende Parlamentswahlen statt. Ich verfolgte dabei den Wahlkampf v.a. über die elektronischen Schweizer und Internationalen Medien. Ehrlich gesagt war ich etwas überrascht, wie detailliert eines meiner Lieblingsmedien, der "Spiegel Online", über den Wahlkampf in der Schweiz berichtet hat (Link). Und was dort über die Dominanz der SVP, ihre Plakatkampagne und v.a. deren Wahrnehmung im Ausland geschrieben wurde, hat mich doch schon etwas beunruhigt. Man kriegt da fast unweigerlich den Eindruck, dass die Schweiz ein tendenziell ausländerfeindliches Land sei.

Ich bin mir zwar unterdessen einen harten politischen Stil aus der Ukraine gewohnt, aber dass dieser Stil nun immer mehr auch in der Schweiz Einzug hält, stimmt mich doch etwas nachdenklich. V.a. die Erkenntnis, dass die Schweiz, welche ja von der Globalisierung de facto profitiert, so eine Angst vor dem "Fremden" hat, ist schon irgendwie paradox.


Berüchtigtes SVP Plakat

Als Auslandschweizer hier in Kiew kommen mir die Niederungen der Schweizer Politik schon etwas bizarr vor und ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich diesen Wahlkampf nicht aus der Nähe verfolgen musste. Natürlich habe ich als pflichtbewusster Schweizer Bürger an den Wahlen mit brieflicher Stimmabgabe teilgenommen. Als Auslandschweizer bekam ich vor ca. vier Wochen Post aus der Schweiz. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern können Auslandschweizer nicht auf der Botschaft direkt abstimmen, sondern müssen die ausgefüllten Wahlunterlagen selbst in die Schweiz schicken. Mit der hiesigen Post heisst dies, dass es nicht 100% sicher ist, dass auch meine ausgefüllten Wahlunterlagen rechtzeitig und überhaupt in der Schweiz ankommen. Ich fände es ehrlich gesagt besser, wenn ich die Unterlagen an die Schweizer Botschaft hier schicken könnte und diese dann die Unterlagen mit Diplomatenpost in die Schweiz schickt. Diese Wahlen werden ja nun zum ersten Mal von der OSZE beobachtet und unter anderem wird auch das Abstimmungsverfahren für die vielen Auslandschweizer genau analysiert und in ersten Erklärungen wurde dies auch schon etwas bemängelt. So hoffe ich, dass das System vielleicht etwas verbessert wird - wir werden sehen.

Für den Wahlausgang mache ich mir keine grossen Sorgen. Es wird so sein wie immer: Im Grossen und Ganzen wird sich nicht viel ändern - schliesslich ist es ja die Schweiz. Aber es beeindruckt mich schon immer wieder, dass wir morgen Abend um 19:00, zwei Stunden nach dem Schliessen der Urnen, eine zuverlässige Prognose haben werden. Neben der guten Organisation ist aber sicherlich auch die überschaubare Grösse der Schweiz dafür verantwortlich.
  • Web: Spiegel Online über das Schäfchen Plakat: Link

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Interessant ist dabei auch, dass die Wahlen dieses Mal von der OSZE überwacht werden...

Anonym hat gesagt…

.... das problem ist eben genau das, dass du aufgrund einer bericherstattung von dritter seite ein völlig falsches bild der schweiz bekommst, auch der svp. bilde dir eine eigene meinung. die schweizer sind tolerant. wir brauchen die ausländer und der überwiegende teil ist beliebt und hat sich in die gesellschaft eingefügt, genau so, wie du es in der ukraine tust. ich bin nicht svp anhänger, aber diese partei ist nicht grundsätzlich gegen ausländer (wir sind ja das europäische land mit dem höchsten ausländeranteil). viele svp-politiker sind ja unternehmer und wissen genau, dass wir das ausland brauchen und diese unternehmer beschäftigen auch sehr viel ausländer. was die schweiz aber nicht braucht, sind kriminelle ausländer (eben das schwarze schaf - und nur darum geht es bei diesem plakat, das wurde den schweizern zur genüge erklärt) und es macht doch wirklich sinn, dass man sich hier etwas wehrt. kann man nicht erwarten, dass jeder leser nachdenkt und sich eine eigene meinung bildet? ein überwiegender teil der straftaten in der schweiz wird leider von ausländern verübt. der drogenhandel ist praktisch ganz unter der kontrolle von asylbewerbern!! dass gewisse schweizer politiker von der auslandspresse immer wieder in die nähe des dritten reiches und dessen denkweise gerückt werden, ist schlicht eine frechheit und zeugt von unkenntnis oder der nicht vorhandenen bereitschaft, sich mit den problemen wirklich auseinanderzusetzen. glaubt man gewissen ausländischen presseartikeln muss man ja jetzt, in anbetracht des wahlerfolges der svp, zum schluss kommen, die meisten schweizer seien blöd und wüssten nicht, was gut und was schlecht ist für unser volk. ich habe da volles vertrauen in meine mitbürgerinnen und mitbürger...