Montag, 22. September 2008

Deutsch-sprechender Nachbar

Heute habe ich auf Spiegel Online einen Artikel gelesen und musste zwangsläufige an meinen früheren deutsch-sprechenden Nachbarn hier in Kiew denken.

In unserer ersten Kiewer Wohnung hatte ich einen netten alten und noch rüstigen Herrn als Nachbar. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er deutsch sprechen konnte. Und logischerweise dachte er, dass ich ein Deutscher sein muss. Schon ahnend und typisch für einen Deutschschweizer - gerade in der historisch belasteten Ukraine - sagte ich ihm natürlich, dass ich Schweizer bin. Doch für ihn machte dies keinen grossen Unterschied. Etwa beim dritten kurzen Gespräch im Treppenhaus erzählte er mir dann, wo er Deutsch gelernt hatte. Er wurde im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Auch sagte er mir stolz, dass er von der Bundesregierung eine Entschädigung erhalten habe. Mich machte diese typisch ukrainische Lebensgeschichte doch recht betroffen und ich war überrascht, so etwas in unmittelbarer Nachbarschaft anzutreffen.

Irgendwie aus falscher Rücksicht habe ich aber nie wirklich so nach den Details seines Lebens und seiner Zeit in Deutschland nachgefragt. Ich rechtfertigte dies mit der Tatsache, dass ich schliesslich Schweizer und nicht Deutscher bin und hier einfach in Ruhe leben will und ja schliesslich weder Journalist noch Historiker bin. Vermutlich, im nachhinein gesehen, war dies aber vermutlich falsch. Da dieser Mann ja auch ein Veteran ist, haben wir ihm jeweils zum Tag des Sieges (9. Mai) Blumen geschenkt.

Hier nun noch der Link zum Spiegel Online Artikel, der unter dem Titel "Ex-KZ-Häftlinge in der Ukraine: Überleben nach dem Überleben" erschienen ist.
  • Web: Spiegel - Ex-KZ Häftlinge in der Ukraine: Link
  • Blog: Der Tag des Sieges: Link

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hallo
ich bin schweizer und lese mit interesse ihren blog, auch weil ich selbst regelmässig in der ukraine bin. ich weiss, dies ist nicht der ort um fragen zu stellen, aber ich hätte eine finanzfrage an sie, da sie ja als analyst tätig sind. ich weiss nicht, ob sie dieses beantworten können oder wollen. falls ich sie grundsätzlich überhaupt mit dieser frage belaestigen darf, koennten sie mir kurz auf meine e-mail-adresse schreiben: herbie.z@active.ch
und ich würde ihnen die frage dann stellen.
ich danke ihnen für den tollen blog und die berichte über die ukraine.
gruss
herbert zimmermann

Anonym hat gesagt…

Leider, stimmt es, was in disem Artikel steht. Die Leute, die den 2. Weltkrieg überlebt haben, müßen sich jetzt um ihr Leben bzw. Exestieren kämpfen... Traurig...Die Regierung denkt an diese Leute leider nur am 9. Mai und es gibt diese Leute immer wieder weniger....Schade... Natalja