Donnerstag, 28. September 2006

Der letzte Lenin von Kiew

Am Anfang des Taras Schewtschenko Boulevards, unweit vom Ende des Kreschtschatik Bouelevards, steht die einzige Lenin-Statue von Kiew, die an den Anführer der kommunistischen Revolution in Russland und Gründer der UdSSR erinnert. Der Schewtschenko Bouelvard ist eine der schönsten Strassen von Kiew mit Jugendstil Palästen und einem Grünstreifen mit Pappeln in der Mitte, welcher die beiden Fahrtrichtungen des Bouelvards voneinander trennt.



Taras Schewtschenko Boulevard mit Lenin-Statue

Zu Sowjetzeiten standen in Kiew fast unendlich viele Lenin Statuen auf allen möglichen Strassen, Plätzen und Parks. Heute gibt es in ganz Kiew nur noch diese für sowjetische Verhältnisse relativ kleine Lenin-Statue. Un an den Orten wo früher Lenin-Statuen standen stehen heute Denkmäler von historischen ukrainischen Persönlichkeiten - anscheinend ganz ohne Statuen können die Ukrainer auch nicht leben!



Die einzige Lenin-Statue von Kiew


Als 1991 die Sowjetunion auseinanderbrach, wurden in Kiew die Statuen der Sowjetzeit von der Kiewer Bevölkerung geschliffen. Nicht nur Lenin musste dran glauben, sondern auch Marx und andere kommunistische Grössen wurden auf den Friedhof der Geschichte verbannt.


Detailansicht der Lenin-Statue


Um diese letzte Lenin-Statue versammelten sich aber 1991 tapfere Kommunisten. Als die Kiewer Bevölkerung zum Abbruch der Statue kam, baten diese Kommunisten, dass doch wenigstens diese eine Lenin-Statue in Kiew stehen bleibt - sozusagen als Zeitzeuge für 70-Jahre kommunistische Herrschaft in Kiew. Die Kiewer Bevölkerung zeigte Nachsicht, zog von dannen und lies diese nun einzige Lenin-Statue von Kiew stehen. Eine Ironie des Schicksals ist die Tatsache, dass wenige Jahre später just neben dieser Statue das erste westlichen Standards entsprechende Fünfstern-Hotel von Kiew, das "Premier Palace Hotel", gebaut wurde. Was Lenin wohl dazu sagen würde?

Dienstag, 26. September 2006

Nervige Auto-Alarmanlagen

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon lange schreiben, habe es aber dann immer wieder vergessen. Nur ganz vergessen kann man dieses Thema eben leider nicht, wei der nachfolgende kurze Beitrag zeigen wird... In der Ukraine haben viele Autos eine Alarmanlage, die beim Einschalten eine Melodie abspielt - und dies in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Und wäre es nur EINE Melodie, würde ich mich ja gar nicht beklagen! Einige Alarmanlagen spielen sogar alle gespeicherten Melodien HINTEREINANDER ab! Gerade in der Nacht kann dies wirklich sehr nervtötend sein... Aufgefallen ist mir, dass je billiger ein Auto ist, desto lauter die Alarmanalge tönt. Schon als normal empfinde ich es, wenn beim Einschalten der Alarmanlage ein kurzes "Pip Pip" ertönt. Weshalb nicht nur das kurze, lautlose Blinken der Zeigerlampen wie in Westeuropa reicht (ausserdem: auch in der Ukraine leuchten die Lampen), ist mir einfach unerklärlich....

Eine weitere Unsitte in der Ukraine ist die Tatsache, dass die Auto-Alarmanlagen hier extrem sensibel eingestellt sind. In Kiew gibt es fast an jedem Wochenende ein offizielles oder privat-gesponsertes Feuerwerk (was manchmal auch nerven kann, da diese z.T. sehr spät abgefeuert werden...). Und bei so einem Feuerwerk gehen noch Kilometer vom Feuerwerk reihenweise die Alarmanlagen der geparkten Autos los, was dann zu einem grässlichen Konzert verschiedenster Alarmanlagen-Melodien wird!

Samstag, 23. September 2006

Kiewer Funiculaire

Vom Wladimirsberg hinter der Michaelskathedrale hat es eine Funiculaire (=Standseilbahn) direkt ins Podol-Quartier zum Potschtovaya Ploschad (=Postplatz) unweit des Kiewer Flusshafens. Eigentlich überraschend, dass es eine Funiculaire (hier "Funikular" genannt) in Kiew gibt...


Standseilbahn ins Podil Quartier (Station Wladimirsberg)

Auf youtube.com habe ich nun ein ein kurzes Video gefunden, welches die Einfahrt der Funiculaire in die Station im Podol-Quartier zeigt.



Freitag, 22. September 2006

Geschmackloser Militaria Verkäufer

Am Andreas-Stieg in Kiew, dem sogenannten Mont-Martre von Kiew, hat es neben einigen Kunst- und unzähligen Souvenir-Verkäufern (Matrjoschkas, Tücher, Holzsachen, Fahnen, T-Shirts, etc.) auch einige Militaria Verkäufer. Die meisten sind relativ harmlos, verkaufen sie doch v.a. Orden aus der Sowjetzeit. Was ich aber letze Woche dort gesehen habe, fand ich schlicht daneben...


Militaria-Verkäufer am Andreas-Stieg


Zurest sah der Stand ja relativ unverdächtig aus. Beim genauer hinschauen entdeckte ich zuerst eine zaristische Fahne von Kiew (!!!). OK - wem's gefällt, der soll das Kaufen. Auch original Sowjetfahnen und -wimpel gehörten zum Angebot.


Detailansicht des Militaria-Angebots


Als ich das Angebot aber detailliert anschaute, fand ich es total daneben! So befand sich etwa im Angebot (siehe Foto oben):
  • Ein Papierschild (!!!) hinter einer Plastikhülle mit der deutschen und russischen Aufschrift "Juden verboten!",
  • Ein deutsches Wehrmachts-Fahrzeugkennzeichen und
  • Ein Wehrmachtsschild, welches die Distanz nach Kiew anzeigt.
Wer kauft den so ein Papierschild? V.a. wenn man bedenkt, dass nur wenige Kilometer von diesem Ort in Babi Jar (=eine Schlucht in Kiew) um die 100'000 Juden im Krieg erschossen wurden? Total geschmacklos das Ganze!

Mittwoch, 20. September 2006

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"Mein Kiew Blog" nimmt Teil am "Best of the Blogs" (=BOB) Wettbewerb der Deutschen Welle teil, wo die besten Blogs verschiedener Kategorien ausgezeichnet werden. "Mein Kiew Blog" bewirbt sich dabei für die Kategorie "Best Weblog / Deutsch".


Screenshot des Eintrags des Blogs auf der BOB Website


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Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung, welche ich auch als Dank für meine idealistische Arbeit an diesem Blog verstehe! Aber ehrlich gesagt: Grosse Chancen gebe ich mir nicht - aber bekanntlich zählt ja hier mehr das Mitmachen!
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PS: Dass die BOB-Redaktion mein Blog als "Foto Blog" sieht, hat mich ehrlich gesagt etwas überrascht, schreibe ich doch auch ausführliche und detaillierte Texte in den einzelnen Artikeln...

Dienstag, 19. September 2006

Ukrainisches Freilichtmuseum Pyrogiv

Im Süden von Kiew, rund 5 km ausserhalb der Stadtgrenze, befindet sich an einem malerischen Ort das "Ukrainische Freilichtmuseum für Nationale Architektur und Ethnografie", ein v.a. bei Ukrainern sehr beliebtes Ausflugsziel am Wochenende.


Ukrainisches Bauernhaus aus Stein mir Strohdach


Mit diesem etwas komplizierten Namen ist nichts anderes gemeint als ein Freilichtmuseum mit historischen Bauten aus den unterschiedlichen Regionen der Ukraine, in der Schweiz vergleichbar mit dem Freilichtmuseum in Balenberg.


Stall aus Holz mit Strohdach


Alle Häuser, Kirchen und Mühlen in Pirogiv sind echte alte Häuser, die gleich wie beim Schweizer Museum am Ursprungsort abgebaut und dann in diesem Pyrogiv wieder originalgetreu aufgebaut wurden.


Ukrainische Windmühlen


Die mehreren kleinen Dörfer entsprechen dabei den Baustils der Regionen der Ukraine, also z.B. hat es in einem Dorf nur Häusern aus den Karpaten. Die Bauweise ist dabei vorwiegend aus Holz (aber vereinzelt auch aus Stein) mir Strohdächern.


Orthodoxe Holzkirche



Weitere orthodoxe Holzkirche


Neben den Häusern sind v.a. auch die Holzkirchen und die Windmühlen aus Holz sehr beeindruckend. Mir war vor dem Besuch dieses Museums nicht bekannt, dass es auch in der Ukraine soviele Windmühlen gint. Und auch, dass es orthodoxe Kirchen aus Holz gibt, war mir neu.


Ukrainische Volksmusik Gruppe in taditionellen Trachten


Neben den Häusern gibt es auch Auftritte von ukrainischen Volksmusik Gruppen in traditionellen ukrainischen Trachten. Vereinzelt haben sogar auch Besucher spontan ukrainische Volkslieder gesungen! Am Wochenende herrscht in Pyrogiv hochbetrieb und die Besucher machen Picknick in diesem sehr malerischen Gelände mit einem Tal, Wiesen und Wäldern. Natürlich kann man im ganzen Musem auch ukrainsiche Handwerkskunst aus Holz kaufen und es gibt sogar Handwerker die man bei der Ausübung ihrer Tätigkeit beobachten kann.


Reiterin in typischer ukrainischer Tracht


Speziell an unserem Besuch war auch noch die Tatsache, dass nur zwei Tage vorher zwei alte Häuser abgebrannt sind und es immer noch Polizei und Geheimdienstleute (!!!) im Museum hatte. Betrachtet man die Bauweise aus Holz, welches nun Ende Sommer extrem trocken ist, verwundert dies aber irgendwie nicht so wirklich...

Samstag, 16. September 2006

Die Hundefrau vom Podol

Im Podol-Quartier von Kiew hat es eine ältere Frau, die wirklich immer an der gleichen Ecke zwischen dem Andreas-Stieg und dem Kontraktovaya Platz auf einer Decke mit vielen Hunden sitzt. Ich selbst habe sie schon des öfteren dort sitzen gesehen.


Die Hundefrau vom Podol-Quartier


Diese Frau hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sich um herrenlose, herumstreunende Hunde und Katzen zu kümmern - obwohl sie selbst vermutlich sehr wenig Geld hat. Hierfür sammelt sie Geld von den vielen Touristen, die den Andreas-Stieg herunter kommen. Ausserdem hat es in Kiew im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Städten sehr wenige herumstreunende Hunde - wirklich nur ganz selten sieht man solche.

Mich beeindruckt es sehr, wie Leute wie diese Frau, welche selbst fast nichts haben, sich um noch schwächere kümmern können und es ist beschämend, wie reiche Menschen oft so hartherzig sein können. Und diese Frau zeigt auch gut die Gegensätze von Kiew, wo hier z.B. das touristische Kiew auf den harten Alltag trifft.
  • Blog: Unterwegs im Podol-Quartier: Link
  • Blog: Andreas-Stieg: Link
  • Blog: Kontraktovaya Platz: Link

Fresken an der Michaels-Kathedrale

Heute habe ich wieder einmal mit Gästen aus der Schweiz die Michaels-Kloster-Kathedrale mit den Goldenen Kuppeln besichtigt. Bekanntlich wurde ja die Michaels-Kloster-Kathedrale 1934 – 1936 durch die Sowjets zerstört und ers im Jahr 2000 wieder detailgetreu Rekonstruiert.


Wandmalerei mit Grossfürstin Olga, dem Gründer des Kiewer
Höhlenkloster
, Apostel Andreas und Grossfürstin Anna


An der Aussenmauer und im Eingangstor zur Klosteranlage befinden sich Wandmalereien mit Szenen aus dem hochmittelalterlichen Kiewer Rus, welche während der Rekosntruktion (wieder?) angebracht wurden. Die Bilder mögen für Westeuropäer etwas kitschig wirken, haben aber eine sehr starke Stimmung und auch die Farben gefallen mir sehr!


Kiewer Rus Grossfürst Swyatopol, der Stifter der Klosterkathedrale


Diese Fresken wurden dem alten Stil nachempfindend gemalt. Da man in russisch-orthodoxen Kirchen nicht fotografieren darf, nutzte ich die Gelengenheit, diese Art von Bildern zu fotografieren.


Heilige über einer Ansicht des hochmittelalterlichen Kiews


Besonders gefallen hat mir eine Ansicht des hochmittelalterlichen Kiews (siehe oben), obwohl dieses Bild idealisiert ist, da z.B. der barocke Glockenturm des Kiewer Höhlenklosters erkennbar ist. Trotzdem finde ich aber das Bild sehr interessant: Auf der linken Seite sieht man das Kiewer Höhlenkloster, das Tal in der Mitte stellt den heutigen Kreschtschatik Boulevard dar und rechts sieht man die Michaels-Kathedrale und die Sophien-Kathedrale.
  • Blog: Michaels-Kathedrale und Wladimirsberg: Link
  • Blog: Kiewer Höhenkloster (Pecherskaya Lavra): Link
  • Blog: Andreas-Stieg: Link
  • Blog: Kreschtschatik Boulevard: Link
  • Blog: Sophien-Kathedrale: Link

Mittwoch, 13. September 2006

Der National-Zirkus der Ukraine

Am letzten Sonntag habe ich mit meiner Familie den ukrainischen National-Zirkus am Platz des Sieges in Kiew besucht. Sicherlich ungewohnt ist für einen Westeuropäer die Tatsache, dass sich der Zirkus nicht etwa in einem Zelt wie in der Schweiz befindet, sondern der Zirkus in einem eigens dafür gebautem Gebäude befindet.


Das Gebäude des National-Zirkus der Ukraine in Kiew


Der National Zirkus der Ukraine hat erst am 8. September mit dem neuen Programm "Extereme Arena" begonnen und hat zweimal am Tag, um 13:00 Uhr und um 17:00 Uhr, eine 150 Minuten dauernde Vorstellung. Das Gebäude ist sehr grosszügig angelegt mit mehreren Cafés und natürlich besuchen auch sehr viele Familien mit Kindern den Zirkus und es herrscht dem entsprechend auch ein reges Treiben im Zirkus.


Kasse des National-Zirkus der Ukraine


Die Tribünen sind dabei wie in einem "traditionellen" Zirkuszelt rund um die Zirkusmanege angeordnet. Ist man erst einmal auf der Tribüne, merkt man keinen grossen Unterschied zu einem Zirkuszelt - v.a. wenn die Show begonnen hat und es dunkler wird! Das Gebäude ist vermutlich deshalb notwendig, da man ohne Gebäude in den sehr kalten Wintern in Kiew keinen Zirkus aufführen könnte.


Zirkusmanege und Tribüne


Das Zirkus-Programm ist in etwa vergleichbar mit einem Programm in der Schweiz (z.B. Schweizer Nationalzirkus Knie) und ist m.E. auf einem gleich hohen Niveau. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass es oft in den Westeuropäischen Manegen Artisten aus Russland und der Ukraine hat!


Ein Artist zieht einen Lada mit Tänzerinnen in die Manege


Natürlich hat der Zirkus auch ein eigenes Orchester und generell lässt sich sagen, dass es vielleicht etwas mehr Musik- und Tanzelemente im Programm hat als bei uns - z.B. hat es am Anfang ein Ballet mit einer Sängerin und drei Tanznummern. Aber nicht immer spielt das Orchester - z.T. wird auch z.B. Techno-Musik zu den Programmen via Lautsprecher eingespielt. Natürlich hat es zwischen den einzelnen Blöcken auch Clowns, die die "technischen" bedingten Pausen (d.h. Umbauten) überbrücken.


Russische Hochseilakrobaten


Besonders beeindruckt hat mich eine Gruppe von russischen Hochseilakrobaten, die eine beeindruckende Show hinlegten. Der Applaus war nach dieser Darbietung entsprechend frenetisch.


Raubtier-Show


Ebenfalls sehr gefallen hat mir die Raubtier-Show mit Löwen und Tigern. Daneben gab es auch noch eine Show mit dressierten Hunden, Ziegen und Katzen. Ausser dem National-Zirkus der Ukraine gibt es in Kiew aber auch noch den eigentlichen Kiewer Zirkus, welchen wir sicherlich auch noch besuchen werden.
  • Website des National Zirkus der Ukraine: Link

Nu Pogodi Videos

Auf youtube.com habe ich sogar noch "Nu Pogodi" (oder "Hase und Wolf") Videos gefunden (siehe früheren Blog Beitrag zu diesem Thema). Ich dachte gar nicht, dass man so etwas auch auf youtube.com finden kann... Somit kann sich auch jeder ein eigenes Bild von dieser sowjetischen Zeichentrickserie machen! Ich bin gespannt, ob sie Euch auch so gefällt wie mir!

"Nu Pogodi" Video (Episode 1)



  • Mehr "Nu Pogodi" Videos auf youtube.com: Link