Mittwoch, 6. September 2006

Die Leipzigerstrasse von Kiew

In unmittelbarer Nachbarschaft unserer Wohnung befindet sich die "Ulitsa Leyptsiyzskaya". Diese Strasse benutze ich, wenn ich mit Gästen das Kiewer Höhlenkloster und das "Mat Rodina" Monument besichtigen gehe oder in meinen Russischkurs gehe. Aber erst etwa beim fünften Mal realisierte ich, dass "Ulitsa Leyptsiyzskaya" eigentlich nichts anderes als "Leipzigerstrasse" bedeutet. Ich amüsierte mich prächtig, wie eine Strasse in Kiew, und dies noch in unmittelbarer Nachbarschaft, nach einer deutschen Stadt benannt werden kann.

Diese Woche spazierte ich wieder durch diese Strasse, und fand am Beginn der Leipziger Strasse die nachfolgende recht grosse Gedenkplatte an einem Haus angebracht (siehe Foto):


Gedenkplatte an der Leipziger Strasse


Auf der Gedenkplatte kann man auf ukrainisch und sogar deutsch (!!!) den folgenden Text lesen: "Diese Strasse erhielt ihren Namen im Jahre 1962 zu Ehren der Partnerstadt Leipzig der Deutschen Demokratischen Republik".

Ich recherchierte etwas auf dem Internet und fand heraus, dass Kiew und Leipzig seit 1962 Partnerstädte sind und die Partnerschaft 1992, also zwischen dem unterdessen bundesdeutschen Leipzig und dem unterdessen ukrainischem Kiew, erneuert wurde. Natürlich sieht das Stadtwappen von Kiew heute etwas anderes aus (siehe frühren Blog-Beitrag), hingegen blieb das Stadtwappen von Leipzig bis heute unverändert.

Es ist schon lustig, wie man in unmittelbarer Nachbarschaft auf so interessante historische Spuren stossen kann, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist...

Video: Feier nach Fussballsieg über Schweiz

Die Fussball WM liegt nun schon drei Monate zurück und ich mag mich noch gut (und schmerzhaft...) an den Sieg der Ukraine über die Schweiz erinnern. Erst kürzlich habe ich auf youtube.com ein Video gefunden, dass die feiernden Ukrainer in den Strassen Kiews nach dem Sieg über die Schweiz an der Fussball Weltmeisterschaft zeigt. Sieht man diese Bilder, freut man sich sogar als Schweizer etwas für die Ukrainer! Und ich mag mich auch noch gut an das Hupen in dieser Nacht erinnern...



Montag, 4. September 2006

Öffentlicher Nahverkehr in Kiew

Als Schweizer ist man sich einen perfekt funktionierenden öffentlichen Nahverkehr gewöhnt. Doch wie sieht das in Kiew aus? Überraschenderweise recht gut und v.a. sehr preisgünstig! Nachfolgend nun eine Aufstellung der beliebtesten und wichtigsten öffentlichen Nahverkehrsmittel:

1. Die Kiewer Metro


Zug der Kiewer Metro auf der Metro Brücke


Die Kiewer Metro ist sicherlich eines der beliebtesten öffentlichen Nahverkehrsmittel von Kiew - sie ist aber nur gut für grosse Distanzen und führt lange nicht an alle gewünschten Orte der 3 Millionenstadt. Über die Kiewer Metro habe ich auch schon des öfteren hier geschreiben (siehe Links). Eine Metrofahrt kostet UAH 0.50 (umgerechnet CHF 0.12).
  • Blog: Die Kiewer Metro: Link
  • Blog: Neue Fotos aus der Kiewer Metro: Link
  • Blog: Die Metro Brücke von Kiew: Link

2. Der Autobus


Ein typischer Kiewer Autobus (LAZ A183)


Früher eher unbeliebt, hat sich die Qualität der Kiewer Autobusse massiv verbessert und ist heute vergleichbar mit Westeuropäischen Städten (siehe Foto - und auch die Innenausstattung ist topmodern). Die Autobusse werden in der Ukraine von der Firma LAZ (Lvivsky Avtomobilny Zawod = Lemberger Automobil Werke) nach Westeuropäischen Standards gebaut. Es gibt rund 100 Autobuslinien in Kiew - das Netz ist also sehr dicht - und die Autobusse fahren sehr oft während des Tages. Am Abend muss man aber z.T. sehr lange auf den Autobus warten. Auch sind die Autobusse wie die Metro in der Stosszeit (=Tschas Pik) hoffnungslos überfüllt. Eine Autobusfahrt kostet UAH 0.50 (umgerechnet CHF 0.12).

3. Marschrutka


Leute beim Einsteigen in ein Marschrutka


Marschrutka sind kleinst Autobusse auf privater Basis, die bestimmte Routen (=Marschrouten) bedienen. Es gibt mehrere 100 solcher Routen in Kiew - das Netz ist also wirklich sehr dicht - und die Marschrutka gehören zum alltäglichen Kiewer Strassenbild wie früher das Londoner Cab zu London. Die Marschrutka fahren auch bis tief in die Nacht hinein, wenn schon lange kein normaler Autobus mehr fahrt. Die Innenausstattung ist eher spartanisch und an den fenster hat es "heimelige" Vorhänge (siehe Fotos). Die Marschrutka sind sehr beliebt bei der Kiewer Bevölkerung und werden den anderen Verkehrsmitteln vorgezogen - dehalb sind sie aber oft auch überfüllt. Eine Fahrt mit dem Marschrutka kostet umgerechnet zwischen UAH 1.00 bis UAH 1.50 (umgerechnet zwischen CHF 0.25 bis CHF 0.33).

4. Trolleybus



Leute beim Ein- und Aussteigen in einen Kiewer Trolleybus


Die Kiewer Trolleybusse sind leider noch älterer Bauart und es gibt auch nicht sehr viele Trolleybus Linien in Kiew. Auch die Innenausstattung ist in die Jahre gekommen. Die Trolleybusse fahren weniger regelmässig wie die normalen Busse und sind ebenfalls oft überfüllt. Eine Fahrt mit dem Trolleybus kostet UAH 0.50 (umgerechnet CHF 0.12).

5. Tram


Ein typisches Kiewer Tram


Das Kiewer Trams sind alle recht alt - vermutlich so um die 30 Jahre und stammen noch aus der Tschechei. Die Fahrt im Tram ist sehr holprig und eng, die Sitze sind auf ein Minimum reduziert, und da sie selten mit Anhänger fahren - sie sind also nicht mit den Zürcher Niederflur Luxustrams vergleichbar! Man beachte auch nur schon die Vorhänge in der Fahrerkabine (siehe Foto). Auch fahren die Trams sehr unregelmässig - ich persönlich musste schon 40 Minuten zur Stosszeit warten. Somit sind die Trams vermutlich das unbequemeste Kiewer Nahverkehrmittel. Eine Fahrt mit dem Kiewer Tram kostet UAH 0.50 (umgerechnet CHF 0.12).

Sonntag, 3. September 2006

Video: Geschichte des Flughafens Boryspol

Auf youtube.com habe ich ein kurzes, informatives Video mit historischen Aufnahmen aus den 60-er Jahren über den Bau und die Einweihung des Kiewer Flugahafens Borispol gefunden - nur etwas wenig Ton hat das Video. Das waren ja noch ganz andere Zeiten - da Reise ich trotz erhöhten Sicherheits-Checks doch lieber heutzutage!



  • Blog: Kiewer Flughäfen: Link
  • Blog: Boryspol: Link
  • Blog: Luftaufnahmen von Kiew: Link

Sowjetische Abfallentsorgung

In allen Häusern sowjetischer Bauart hat es eine ganz spezielle Art der Abfallentsorgung, die für uns Westeuropäer sehr ungewohnt ist: Im Treppenhaus hat es auf jedem Stockwerk einen Müllschlucker. Man öffnet diesen Müllschlucker, legt in die Öffnungsklappe des Müllschluckers den Abfallsck, schliesst den Müllschlucker, wonach der Abfall mir einem "Plumpsgeräusch" nach unten in den Sammler fällt. Da die Öffnungsklappe des Müllschluckers relativ klein ist, dürfen die Abfallsäcke auch nicht zu gross sein, denn sonst bringt man sie nicht mehr hinein! Dieses System der Abfallentsorgung ist recht praktisch, denn man muss nie weit mit dem Abfall laufen. Hingegen hat es den Nachteil, dass es v.a. im Sommer immer etwas nach Abfall im Treppenhaus riecht...


Müllschlucker mit Öffnungsklappe in unserem Treppenhaus

Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass die Abfalltrennung in der Ukraine noch nicht wirklich angekommen ist. Glas, Papier, Batterien, organischer Abfall - alles wandert in den selben Müll! Am anfang hatte ich ein sehr grosses Problem damit und musste mich überwinden, alles in den gleichen Müll zu tun. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran.

Samstag, 2. September 2006

Ukrainisches Bier

Was die wenigsten vermuten würden, ist dass es in der Ukraine nicht nur ausgezeichneten Wodka (=Gorilka, Ukrainisch) gibt, sondern dass man auch ausgezeichnetes Bier (=Pivo) trinken kann. Das Bier hier schmeckt ähnlich wie das deutsche Bier, d.h. es ist sehr mild und süffig, und nicht so würzig wie das schweizerische Bier. Die bekanntesten ukrainischen Biermarken sind dabei:


Slavutitsch Werbung


Als Weissbier Liebhaber freut es mich auch sehr, dass es seit kurzem auch dieses Bier nun in der Ukraine gibt. Das Weissbier heisst hier "Bile Nefiltrovane", weiss nichts anderes als "weisses ungefiltertes" bedeutet (siehe auch weiter unten die Tschernigivske Werbung für Weissbier). Das helle, blonde Bier heisst ausserdem "Svitle", was eben nichts anderes als "helles" bedeutet.


Obolon Werbung


Die etwas älteren ukrainischen Marken sind Slavutitsch, Obolon und Saramt. Seit kurzem drängt aber Tschenigivske sehr agressiv in diesen Markt und ist unterdessen auch sehr beliebt. Slavutitsch ist ausserdem eine an der ukrainischen Börse gehandelte Firma, weshalb ich diese Firma berufsbedingt etwas besser kenne! Bier ist in der Ukraine v.a. ein Sommergetränk, dass sehr gerne im Freien getrunken wird - so ist es auch ganz normal, auf der Strasse mit einer Bierflasche herum zu laufen - und das sind nicht etwa Alkoholiker, sondern ganz normale junge Leute! Und nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen trinken in der Ukraine gerne Bier.


Sarmat Werbung


Der jährliche pro Kopf Konsum liegt in der Ukraine noch bei 45 Litern, er liegt d.h. unter dem Russischen (60 Liter) und Europäischem Durchschnitt (60 Liter), ist aber am steigen... In der Ukraine darf im Fernsehen Reklame für Bier gemacht werden (im Gegensatz zur Schweiz) und die Werbung ist hochprofessionel und auf Europäischem Niveau.


Tschernigivske Werbung für Weissbier

Kiew Video

Ich habe auf youtube.com ein weiteres informatives Video über Kiew gefunden, das ich ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Es vermittelt einen schönen bewegten Eindruck von Kiew und zeigt nacheinander:
  1. Kiewer Hauptbahnhof
  2. Schiffsfahrt auf dem Dnjepr
  3. Michaelskathedrale (Den Musikanten haben wir ausserdem auch schon gesehen...)
  4. Dnjepr Strand mit Metro-Brücke
  5. Mat Rodina
  6. Kreschtschatik
  7. Maidan mit Konzert
  8. Kreschtschatik


Freitag, 1. September 2006

Tag des Wissens

Heute gingen die fast dreimonatigen Schulferien in der Ukraine zu Ende. Traditionell ist der erste Schultag nach den langen Sommerferien der 1. September, der "Tag des Wissens". Dies wurde schon zu Sowjetzeiten so gefeiert und ist bis heute gleich geblieben. Die Kinder werden an diesem Tag von ihren Eltern begleitet und gehen sehr festlich gekleidet zur Schule: Die Mädchen mit langen Kleidern und weissen Schleifen in den Haaren, die Knaben im Anzug. Mir gefällt diese Tradition sehr und es ist wirklich lustig, an diesem Tag die vielen Kinder in festlichen Kleidern zu sehen.


Schüler mit Lehrerin am Tag des Wissens, dem 1. September
  • Blog: Der letzte Schultag (02.06.2006): Link

Video über das Höhlenkloster

Heute habe ich das nachfolgende Video auf youtube.com über das Kiewer Höhlenkloster gefunden. Es gibt einen guten "bewegten" Eindruck - zuerst von der Uspenksy Kathedrale, dann das Refektorium mit St. Antonius Kirche und schlussendlich den Ausblick vom Glockentum über den Dnjepr.



  • Blog: Fotos der Höhlen des Höhlenklosters: Link
  • Blog: Unteres Kiewer Höhlenkloster: Link
  • Blog: Oberes Kiewer Höhlenkloster: Link

Mittwoch, 30. August 2006

Demokratische Autonummer

Heute habe ich auf einem Parkplatz einen schwarzen Mercedes 600 gesehen. Dies ist an und für sich noch nichts besonderes, denn in Kiew sieht man öfters grosse Luxuslimousinen. Interessant ist vielleicht aber, dass ich noch nie einen Ferrari gesehen habe - anscheinend ist dieser tiefliegende Inbegriff eines italienischen Klassikers nicht wirklich geeignet für die holprigen Kiewer Strassen - besonders im harten Winter...


Mercedes 600 auf einem Kiewer Parkplatz


Schaut man genauer diese Limousine an (siehe Fotos), stellt man aber fest, dass die Autonummer schlichtwegs nur "005" ist! Ich fragte Kollegen, was denn diese Nummer soll. Ich erfuhr, dass es sich um das Auto eines Abgeordneten des Ukrainischen Parlaments, einen Deputierten, handeln muss. Parlamentarier haben also in der Ukraine ihre speziellen Nummern, damit sie nicht von der Miliz (sprich Polizei) behelligt werden. Fehlt nur noch, dass der Mercedes vom Staat bezahlt wird. Verglichen mit den Verhältnissen in der Schweiz (wo die Parlamentarier je nur ein 1. Klass SBB GA erhalten), findet man dies dann aber nicht wirklich demokratisch...


Detailansicht der Nummer des Mercedes