Mittwoch, 14. Juni 2006

Fussball WM: Staatstrauer in der Ukraine

Das heutige 4 zu 0 im Spiel Spanien gegen die Ukraine war wirklich sehr hart für das erste Spiel der Ukrainischen Fussball Nationalmannschaft an einer Fussball WM überhaupt. Auch wenn der Sieg Spaniens sicherlich verdient war, hätte er doch nicht so deklassierend sein müssen!


Die Ukrainische Nationalmannschaft


Ich habe während des Spiels heute auf der Bank gearbeitet. Das Internet brach zusammen, da alle Mittarbeiter das Spiel, wenn schon nicht am Fernsehen, so doch auf dem Internet, verfolgen wollten. Bei jedem Tor - und es waren ja deren vier - läutete das Telefon bei uns im Büro. Und die Pförtner haben extra für diesen Anlass einen Fernseher in der Loge intstalliert, damit sie das Spiel live verfolgen konnten und die anderen Mitarbeiter darüber informieren konnten.

Dass die Wirtschaft heute still stand, wie der Ukrainische Ministerpräsident berfürchtete, und das Blog Krusenstern berichtete, konnte ich persönlich nicht feststellen.

Ein Arbeitskollege von mir hat absichtlich Ferien genommen und ist nach Deutschland gereist um die Ukrainische Nationalmannschaft zu unterstützen. Er tat mir echt leid!

Die Stimmung nach dem Spiel war auf der Bank dann schon etwas gedämpft. Auch auf der Strasse hatte ich den Eindruck, dass die Leute schon etwas bedrückt wirkten...

PS: Das gestrige Spiel Schweiz gegen Frankreich wurde ausserdem live am Ukrainischen Fernsehen übertragen. Auch wenn ich nicht viel verstanden habe, war ich doch sehr froh und dankbar für die bewegten Bilder...
  • Artikel im Krusenstern: Link
  • NZZ über das Spiel: Link
  • Tages Anzeiger über das Spiel: Link
  • Der Spiegel über das Spiel: Link
  • FAZ über das Spiel: Link

Montag, 12. Juni 2006

Ukrainisches Luftfahrtmuseum

Eines meiner bisherigen Highlights des Aufenthaltes in Kiew war der heutige Besuch des Ukrainischen Luftfahrtmuseums. Heute ist ausserdem Pfingstmontag in der Ukraine und somit ein arbeitsfreier Tag.


Museum der Nationalen Luffahrt Universität



Piloten: Ich und meine Tochter im Cockpit eines MIL Mi-26 Transport-Helikopters


Doch warum ist eine Ansammlung von altem Schrott so ein Highlight für mich? Als ich als Kind zu Zeiten des Kalten Krieges und der Sowjetunion aufgewachsen bin, haben mich sowjetische Flugzeuge sehr interessiert. Doch ich habe zu dieser Zeit nie gedacht, dass es einmal möglich wäre, diese in der Realität anzuschauen... Nun ist dieser Kindheitstraum zur Realität geworden!


Museum der Nationalen Luffahrt Universität


In diesem Musuem befinden sich auf einem alten Rollfeld des Flughafen Zhulyany die verschiendensten sowjetischen Flugzeug- und Helikoptertypen - vom Zweiten Weltkrieg bis heute.


Mikoyan-Gurevich MIG 15 Abfangjäger


Mikoyan-Gurevich MIG 21 Abfangjäger


Mikoyan-Gurevich MIG 25 Abfangjäger


Suchoi Su-15 Abfangjäger



Suchoi Su-27 Abfangjäger


Besonder beeindruckt haben mich die ehemaligen sowjetischen und heute Ukrainischen Abfangjäger wie MIG 15, MIG 21 (meistegbautes Jagdflugzeug der Welt), MIG 25 (Mach 3 Jäger) Su-15 und Su-27.


MIL Mi-26 Transport Helikopter



MIL Mi-24 Kampfhelikopter


Ebenso beeindruckend sind die alten sowjetischen Helikopter. Dabei konnten wir das Innere eines MIL Mi-26 Transport-Helikopters besichtigen, des schwersten und grössten serienmässig gebauten Helikopters der Welt.


Ilyushin Il-18 Passagierflugzeug



Ilyushin Il-76 Transportflugzeug


Natürlich hat es auch verschiedene zivile Passagier- und Transportflugzeuge zu sehen wie die Il-18 oder die Il-76.
  • Blog: Ein späterer Besuch in diesem Musem: Link
  • Wikipedia über MIG 15 Abfangjäger: Link
  • Wikipedia über MIG 21 Abfangjäger: Link
  • Wikipedia über MIG 25 Abfangjäger: Link
  • Wikipedia über Su-15 Abfangjäger: Link
  • Wikipedia über Su-27 Abfangjäger: Link
  • Wikipedia über MIL Mi-26 Helikopter: Link
  • Wikipedia über MIL Mi-24 Helikopter: Link
  • Wikipedia über Il-18 Airliner: Link
  • Wikipedia über Il-76 Tansporter: Link
Kategorie: Kiewer Sehenswürdigkeiten

Sonntag, 11. Juni 2006

Hydropark

Da wir ja eine kleine Tochter haben und heute Besuch mit einem Kind gekommen ist, sind wir heute den Hydropark in Kiew anschauen gegangen.


Eingang zum Hydropark


Der Hydropark ist ein ständiger Lunapark auf einer Dnjepr-Insel in einem lauschigen Park - deshalb auch der Name Hydropark. Die Anlage ist bequem mit der Metro und der eigenen Metrostation "Hydropark" erreichbar.


Hydropark



Hydropark


Im Hydropark hat es Attraktionen für grosse und kleine Kinder: Karuselle, Schaukeln, Achterbahn, Austo-Scooter, Schiessstände, Kinderzüge, etc. Natürlich ist der Hydropark für die Kiewer ein sehr beliebtes Familienausflugsziel am Sonntag...


Schaukel im Hydropark


Die Anlage stammt noch aus Sowjetzeiten. Zum Teil sind die Attraktionen recht alt, zum Teil aber auch sehr neu. Insgesamt hat die Anlage einen ganz speziellen Charme - sicherlich liegt das auch an den in der Ukraine sehr verbreiteten Trauerweiden. Daneben gibt es auch lauschige Garten-Restaurants mit köstlichem Schaschlik (holzkohlengegrillte, marinierte Fleischspiesse).


Unsere kleine Tochter im Kinderzug


Natürlich musste auch unsere kleine Tochter einen Versuch auf einem Kinderzug machen. Nach anfänglichem Bedenken hat es ihr aber sehr gut gefallen und am Schluss wollte sie gar nicht mehr weg gehen...


Tischentennis Anlage


Ebenfalls speziell fand ich eine Anlage mit sehr vielen Tischtennis Tischen, welche auch sehr rege benutzt wurde.

Am Kiewer Hauptbahnhof

Da ich ja schon über die Flughäfen von Kiew geschreiben habe, ist es nun an der Zeit, dass ich auch über den Hauptbahnhof von Kiew schreibe. Die Gelegenheit eines Besuchs des Hauptabhnhofs hat sich nun ergeben...


Bahnhofsuhr mit Schild


Heute Sonntagmorgen habe ich eine gute Freundin von uns am Hauptbahnhof von Kiew vom Nachtzug aus Donetsk abgeholt. Der Nachtzug ist ein beliebtes, günstiges und bequemes Verkehrsmittel für grosse Distanzen, denn die Ostukrainische Industriemetropole Donetsk ist über 600 km von Kiew entfernt.


Hauptbahnhof von Kiew


Früher war der Hauptbahnhof von Kiew ein richtiger Schandfleck der Stadt, er wurde aber vor rund 5 Jahren komplett renoviert und ist nun wirklich sehr schön und ein Schmuckstück.


Bahnhofshalle von Kiew



Bahnhofshalle von Kiew


Der Hauptbahnhof hat eine wunderschöne Bahnhofshalle im stalinistischen Zuckerbäckerstil. Die Personenzüge sind in der Ukraine extrem lang und wie in Russland in hellblau gehalten. Auch hat die Ukrainische Staatseisenbahn nicht die Europäische Spurweite, sondern die breitere Russische Spurweite. Dies kommt noch von der Zarenzeit her, weil die Russen so einen möglichen europäischen Angriff auf Russland erschweren wollte.


Perron mit Zug am Hauptbanhof von Kiew
  • Blog: Die Kiewer Flughäfen: Link

Samstag, 10. Juni 2006

Russisch und Ukrainisch in der Ukraine

Bekanntlich bin ich ja u.a. auch in Kiew, weil ich hier meine Russisch-Kenntnisse verbessern will. Was aber vielleicht die wenigsten wissen, ist die Tatsache, dass die offizielle Landessprache der Ukraine NUR das Ukrainische ist. Was bedeutet dies nun aber?

Glaubt man einer aktuellen Umfrage, so bezeichnen heute ungefähr 60% der Ukrainer Ukrainisch als ihre Mutterpsrache und 40% der Ukrainer Russisch als ihre Muttersprache, wobei der Anteil des Ukrainischen stetig steigt. Klar ist auch, dass die weite Verbreitung des Russischen noch aus der Sowjetzeit kommt. Andererseits ist es auch ein regionales Phänomen: Spricht man im Westen der Ukraine (Lvov respektive Lemberg) fast ausschliesslich Ukrainisch, so wird im Osten und Süden fast ausschliesslich nur Russisch gesprochen. Dies ist auch historisch und ethnisch bedingt, wurden doch zur Zaren- und Sowjetzeit viele Russen im industriellen Osten des Landes angesiedelt und der Süden, die Halbinsel Krim, gehört bis in die 50-er Jahre ausschliesslich zu Russland, was auch die dortigen Zarenpaläste erklärt.

Schon seit 1990 ist nun das Ukrainische die offizielle Landessprache. Der Grund für die Einführung der Ukrainischen Sprache ist offensichtlich: Es handelt sich hier um eine politische Abgrenzung und Unabhängigkeitsbekräftigung gegenüber Russland und dient ausschliesslich dem „Nation Building“. Im Alltag bedeutet dies, dass die Kinder in der Schule auf Ukrainisch unterrichtet werden, alle offiziellen Dokumente und Beschriftungen auf Ukrainisch sind, die Nachrichtensendungen im Fernsehen auf Ukrainisch und Russische Filme Ukrainisch untertitelt sind und die Werbung/Reklame auf Ukrainisch sein muss (!!!). Was mir aber beim Erlernen der Russischen Sprache hilft, ist die Tatsache, dass man in Kiew auch problemlos russisches Fernsehen schauen kann...

Doch wie stark unterscheidet sich das Ukrainische vom Russischen? Als Schweizer würde ich sagen, es ist etwa vergleichbar mit dem Unterschied zwischen dem Hochdeutschen und dem Schweizerdeutschen: Stark miteinander verwandt, aber andere Aussprache und z.T. komplett andere Wörter (30% Unterschied). Interessant ist aber, dass die Leute hier einen riesigen Unterscheid in den beiden Sprachen sehen, oder politisch motiviert, sehen wollen. Beide Sprachen werden mit kyrillischen Buchstaben geschrieben und z.T. gibt es Lautverschiebungen, so wird z.B. das „o“ im Russischen im Ukrainischen zum „i“. Obwohl ich schon über zwei Jahre intensiv Russisch lerne, habe ich im Alltag grosse Probleme zu unterscheiden, ob nun jemand Ukrainisch oder Russisch spricht...

Doch wie stark ist nun (noch?) das Russische in Kiew verbreitet? Gemäss meinen Erfahrungen wird vorwiegend Russisch gesprochen, sogar von den Kindern! Im Geschäftsleben, d.h. z.B. auf meiner Bank, wird ausschliesslich Russisch gesprochen und meine wöchentlichen Börsenkommentare werden nur ins Russische, nicht aber ins Ukrainische, übersetzt. Alle Online Börsen-News und Wirtschaftszeitungen sind ausschliesslich auf Russisch. Auch fast alle Tageszeitungen und fast alle Bücher sind Russisch. Spreche ich irgend jemanden auf der Strasse auf Russisch an, erhalte ich immer auch auf Russisch eine Antwort!

Wie schon angetönt, ist die Frage der Sprache eine höchst politische und emotionale Frage in der Ukraine, im Alltag hingegen stellt sie kaum ein Problem dar! Dass Russische hat in der Ukraine den Status einer Minoritätensprache und wird nach der Europäischen Menschenrechtscharta geschützt. In den letzten Monaten haben nun verschiedene Regionen im Osten (Kharkov, Dnepropetrovsk, Lugansk und Donetsk) und Süden (Autonome Republik Krim) das Russische in den Stand einer regionalen Amtssprache erhoben. Die Ukrainischen Nationalisten sehen in diesem legalen Schritt schon den Untergang der Ukrainischen Nation und der Ukrainische Präsident hat Schritte zur Stärkung der Ukrainischen Sprache angekündigt. Die Nationalisten sehen im Weiterbestehen der Russischen Sprache in der Ukraine immer die Gefahr von politischen Ansprüchen von Russland auf den „kleinen“ Bruder Ukraine. Auf der ehemals russischen Halbinsel Krim, wo heute noch der Russische Schwarmeerhafen ist, gab es erst kürzlich Demonstrationen, dass die Schüler klassische russische Literatur (Puschkin, Tolstoi, etc.) in der ins Ukrainischen übersetzten Version lesen müssen. Man sieht, die ganze Frage ist sehr emotional... Zum Teil auch verständlich, versetze man sich doch in die Lage einer älteren Ostukrainischen Person, die das ganze Leben lang Russisch gesprochen hat und nun alle offiziellen Dokumente in einer Sprache findet, die sie nicht versteht!

Gerade als Schweizer, wo wir doch die vier (!!!) Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch haben, ist die ganze hitzige Diskussion etwas schwer zu verstehen. Historisch hatten wir Schweizer nicht eine Grossmacht (Russland) als Nachbar, sondern gleich deren drei, nämlich Deutschland, Frankreich und Österreich-Ungarn. Und trotzdem hat die Schweiz ihre Unabhängigkeit als Willensnation bewahrt. Und soweit ich die Ukraine heute verstehe, haben nicht einmal die Ostukrainer ein Interesse an einer Wiedervereinigung mit Russland. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass die Ukraine noch eine sehr junge Nation ist (erst 15 Jahre alt!!!) und noch nicht ein Selbstverständnis wie die über 700 Jahre alte Schweiz hat.

Insofern ist zu hoffen, dass sich die ganze Diskussion etwas beruhigt und es etwas mehr Toleranz gibt. Denn wie schon gesagt, im Alltag gibt es keine Probleme für das friedliche Nebeneinander der beiden Sprachen!
  • UNIAN Artikel zu dieser Umfrage (E): Link
  • Wikipedia über die Ukrainische Sprache: Link
  • Wikipedia über ostslawische Sprachen: Link
  • Wikipedia über das Urslawisch: Link
  • Wikipedia über das kyrillische Alphabet: Link

Ukrainische Küche: Bliny

Bliny ist eigentlich nichts anderes wie Ukrainische Omeletten oder fast noch treffender Crêpes. Die Blinys werden dabei kalt gegessen und mit etwas Süssem oder Salzigem gefüllt. Am bekanntesten und vermutlich auch beliebtesten ist dabei sicherlich die Füllung mit Kaviar. Aber mindestens so gut ist auch die Füllung mit Süssem wie Beeren aller Art oder Konfitüre oder Salzigem wie Hackfleisch. Die gefüllten Bliny werden aber nicht gerollt, sondern gefaltet. Ebenfalls sehr wichtig ist, dass die gefüllten Bliny immer mit Saurem Rahm, dem "Smetana", gegessen werden.


Drei mit Saurem Rahm
und Konfitüre dekorierte Bliny

Hier nun ein Rezept zur Herstellung von Bliny:

Der Omlettenteig wird traditionell 5-6 Stunden vor dem Braten zubereitet. Damit die Omeletten schön dickflüssig werden, sollte das Verhältnis zwischen Mehl und Flüssigkeit in etwa 1:1 sein. Dabei versteht man unter "Flüssigkeit" nicht nur Milch, sondern auch Butter, Eier, Rahm und Hefe. Außerdem ist es wichtig darauf zu achten, dass:
  1. Die Hefe ganz frisch ist und nicht zuviel Hefe verwendet wird,
  2. Der Teig jedes Mal sehr sorgfältig vermischt wird (es dürfen kleine Klümpchen drin bleiben)
  3. Geschlagenes Eiweiss in die Rahm gegeben wird (und nicht umgekehrt!). So werden die Omeletten besonders zart.
Zutaten (für 4-6 Personen):
  • 650 g Weizenmehl
  • 500 ml Milch
  • 25 g Hefe
  • 25 g Butter
  • 100 ml Rahm
  • 2 Eier
  • 2 TL Zucker
  • 1 TL Salz
  • Öl zum Braten
Zubereitung:
  • Hefe mit Milch verrühren, die Hälfte vom Mehl und weiche Butter hinzufügen und ca. 30 Minuten gehen lassen.
  • Eigelb vom Eiweiss trennen. Eigelbe mit Zucker verreiben.
  • Rahm steif schlagen.
  • Eiweiss steif schlagen und vorsichtig in geschlagene Rahm unterrühren.
  • Den Teig umrühren, das restliche Mehl, Salz, Eigelb mit Zucker hinzufügen und alles gut durchmischen.
  • Die Rahm-Eiweiss-Mischung unterrühren. Den Teig noch mal gehen lassen.
  • Öl in einer Pfanne erhitzen. Mit einem Schöpflöffel den Teig nehmen und dünn auf der Pfanne verteilen.
  • Die Omeletten von beiden Seiten braten.
Natürlich kann man in der modernen Ukraine auch fertig gefüllte, tiefgefrorene Bliny kaufen. Sie Schmecken ausserdem gar nicht einmal so schlecht! Das man diese aber bald auch in der Schweiz kaufen kann, ist nicht zu erwarten...

En Guete!

Donnerstag, 8. Juni 2006

Das liebe Geld: Die Ukrainische Griwna UAH

Da ich ja auf einer Bank arbeite und somit zwangsläufig beruflich viel mit Geld zu tun habe und vermutlich die wenigsten von Euch die Ukrainische Währung kennen, möchte ich diese nun etwas näher bringen.


Griwna Banknoten (vor 2003)


Die Ukrainische Währung heisst Griwna (respektive Hrywnja) und ist seit der Ukrainischen Währungsreform von 1996 in Kraft. Abgekürzt wird die Griwna mit UAH und 1 Griwna entspricht 100 Kopeken.


Ukrainische Kopeken

Die aktuellen Wechselkurse von heute, 08.06.2006, lauten:
  • 1 Schweizer Franken (CHF) = 4.09 Ukrainische Griwna (UAH)
  • 100 Ukrainische Griwna (UAH) = 26.45 Schweizer Franken (CHF)
Obwohl heute alles in der Ukraine in Griwna bezahlt wird, werden grosse Beträge und auch der Lohn immer noch in U.S. Dollar angegeben. Dies kommt noch von früher und es ist sozusagen „Chic“, den Preis in U.S. Dollar anzugeben und jeder kennt denn auch den aktuellen U.S. Dollar Wechselkurs. Als weitere Ersatzwährung wird auch immer mehr der Euro verwendet.

Die Griwna darf man weder ein- noch ausführen, d.h. man kann den Griwna nur in der Ukraine wechseln und nicht etwa schon auf dem Flughafen in Zürich. Ich nehme für den Anfang immer genug Euro mit und wechsle dann diese in der Ukraine. Bankautomaten, die mit Schweizer Karten (d.h. Maestro EC-Karten) funktionieren, gibt’s aber wie in der Schweiz an jeder Strassenecke.


Das Griwna Währungssymbol


Das Griwna Währungssymbol, welches mich stark an das $-Zeichen erinnert, habe ich ehrlich gesagt noch nirgends gesehen und ich bezweifle, dass dieses auch die Ukrainer kennen... Üblich ist die Abkürzung UAH oder Grn. (Грн.).

Bereits während der Zeit der Kiewer Rus gab es unter der Bezeichnung Griwna/Hrywnja eine allgemein gültige Geldeinheit, die knapp einem Pfund Silber (400 g) entsprach. Das Wort "Griwna" bedeutet (Pferde-)Mähne, eine Hrywnja könnte also etwa dem Gegenwert eines Pferdes entsprochen haben.

Nach der Auflösung der Sowjetunion und der Gründung der heutigen Ukraine im Jahr 1991 wurde eine Übergangswährung, der sogenannte Kupon, eingeführt, der wegen der wirtschaftlichen Krise in dieser Zeit unter einer Hyperinflation litt. So war der mittlere Jahreskurs 1992 135 Kupons für eine Deutsche Mark, 1995 gab es bereits 102'886 Kupons für eine Deutsche Mark.


1 Million, 500'000 und 200'000 Ukrainische Kupon Banknoten


Am 25. September 1996 verkündete der damalige Präsident Leonid Kutschma per Erlass eine Währungsreform, die eine neue Währung unter dem alten Namen "Griwna" mit sich brachte. Die Währung, die von 2. bis 16. September 1996 in Umlauf gebracht wurde, ist vergleichsweise stabil (siehe nachfolgende Wechselkurs-Grafik).

In den Jahren 2003 und 2004 wurden die Griwna Banknoten zum Teil überarbeitet, d.h. es wurden z.T. neue Motive eingeführt.


Entwicklung des UAH/USD Wechselkurses seit 1997



Die 1 UAH Banknote


Auf der Vorderseite der wohl beliebtesten Griwna-Banknote, der 1 UAH Banknote, ist der Kiewer Rus Grossfürst Wladimir I. der Heilige (*960, †1015) abgebildet. Unter seinem Regiment kam es zu gewaltiger Ausdehnung des Reichs und 988 zur Christianisierung der Rus. Damit knüpft die Ukraine historisch an die staatliche Tradition der Kiewer Rus, deren Erbe nun jetzt drei ostslawische Völker - Russen, Ukrainer und Weissrussen - teilen. Die Rückseite der 1 UAH Note zeigt den mittelalterlichen Hrad (die Burg) von Wladimir I. in Kiew.


Die 5 UAH
Banknote


Die 10 UAH
Banknote


Die 20 UAH
Banknote

Auf der Vorderseite der 20 UAH Banknote ist der aus Ostgalizien stammenden ukrainischen Dichter Iwan Franko abgebildet und im Hintergrund der Note sind die Abhänge der ukrainischen Karpaten zu erkennen. Franko zählt neben Taras Schewtschenko zu den wichtigsten Grössen in der ukrainischen Literatur und symbolisiert die Westukraine. Eine Abbildung des Lviver (= Lemberger) Opernhauses schmückt die Rückseite des Geldscheines.


Die 50 UAH
Banknote

Auf der Vorderseite der 50 UAH Banknote ist Ukrainische Geschichtsprofessor Mychajlo Hruschewskyj abgebildet. Auf der Rückseite ist das ehemalige Pädagogische Museum (sog. Lehrerhaus) in Kiew abgebildet.


Die 100 UAH
Banknote

Die Vorderseite der 100 UAH Banknote zeigt den beliebten ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko. Auf der Rückseite ist die Dnipro-Landschaft mit Tschernetscha Hora (deutsch Mönchshügel) zu sehen.


Die 200 UAH
Banknote

Auf der Vorderseite der 200 UAH Banknote ist die bekannte Ukrainische Dichterin Lesja Ukrainka abgebildet.
  • Wikipedia über Wladimir den Heiligen: Link
  • Wikipedia über Iwan Franko: Link
  • Wikipedia über Mychajlo Hruschewskyj: Link
  • Wikipedia über Taras Schewtschenko: Link
  • Wikipedia über Lesja Ukrainka: Link

Sonntag, 4. Juni 2006

Das Goldene Tor von Kiew

An diesem Wochenende haben wir eine weitere Sehenswürdigkeit von Kiew, das Goldene Tor (=Solotye Varota), besucht. Um dorthin zu gelangen, sind wir mit der Metro bis zur gleichnamigen Metro-Station gefahren. Diese Metro-Station ist vermutlich die schönste von Kiew überhaupt - zumindest sicher von denen die ich bisher gesehen habe.


Metro-Station Goldenes Tor


Die ganze Metro-Station ist in einem pseudo-mittelalterlichen Stil sehr prunkvoll erbaut. Kommt man nach langer Rolltreppenfahrt aus der Metro-Station, befindet man sich direkt vor dem Goldenen Tor.


Goldenes Tor von Kiew, Sicht von ausserhalb der ehemaligen Altstadt


Das Tor wurde unter dem Kiewer Rus Grossfürsten Jaroslaw dem Weisen von 1017-1024 erbaut. Jaroslaw der Weise war auch der Erbauer der Kiewer Sophienkathedrale und zu seinen Ehren hat es auch neben dem Tor ein Denkmal. Als Muster diente das Goldene Tor von Konstantinopel. 1240 wurde es von mongolischen Truppen des Batu Khan beschädigt. aber nicht zerstört. Das Tor blieb bis zum 18. Jahrhundert der Haupteingang in die Stadt und diente oft auch zeremoniellen Zwecken. Im oberen Teil des Tores befindet sich die Mariaverkündungskirche, weshalb auch die Spitze des Tores ein Kreuz hat. 1832 wurden die Reste des Tores rekonstruiert. Weitere Rekonstruktionssarbeiten wurden in den 70er Jahren durchgeführt, wobei über den Resten des Tores das neue Tor gebaut wurde. Das neue Tor, das heute ein Museum beherbegt, wurde 1982 anlässlich des 1500-jährigen Bestehens von Kiew eröffnet.


Denkmal für den Kiewer Rus Grossfürsten Jaroslaw den Weisen


Anhand dieses prachtvollen Tores kann man erahnen, wie schon und prächtig das Kiew des Kiewer Rus im Mittelalter wohl gewesen sein muss. Wirklich sehr schade, dass nichts mehr von dieser Zeit heute in Kiew sehen kann.


Gleich neben dem Tor: Gemütliches Park-Kaffee mit Springbrunnen

Gleich neben dem Tor befindet sich ein sehr idyllisches Kaffee in einem kleinen Park mit Springbrunnen, wo wir kurz einkehrten.


Jaroslaw Wall Strasse neben dem Tor


Generell ist Kiew auch heute noch besonders schön in der Gegend der ehemaligen Altstadt. Es stehen dort doch noch einige Häuser aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und die Kastanienbäume lockern das ganze auf. Ich habe mich an diesem Ort von Kiew an Paris erinnert gefühlt. Die Strasse beim Tor heisst bis heute noch Jaroslaw Wall Strasse und erinnert an den Erbauer der Stadtbefestigungen.


Stadttheater von Kiew neben Metro-Station Teatralnaya


Anschliessend sind wir durch die ehemalige Altstadt an den Maidan spaziert und haben in einem Restaurant in der Nähe zu Abend gegessen. Danach haben wir noch auf dem abendlichen Kreschtschatik Boulevard spaziert und haben die Metro bei der Station Teatralnaya beim schon beleuchteten Stadttheater genommen und sind nach Hause gefahren.
  • Wikipedia über Jaroslaw den Weisen: Link
  • Geschichte des Goldenes Tors (Englisch): Link

Samstag, 3. Juni 2006

Ukrainische Küche: Grüner Borschtsch

Da die Ukrainische Küche den wenigsten Schweizern bekannt sein wird, habe ich mich dazu entschlossen, diese Euch ein bisschen näher zu bringen - auch wenn dies hier nur verbal und mit Fotos möglich ist...

Ich beginne diese Reihe mit einem Klassiker, dem Ukrainischen Grünen Borschtsch. Der Borschtsch ist aus unserer Sicht eine nahrhafte Suppe, die Ukrainer sind aber der Meinung, dass die Bezeichnung Suppe eine Beleidigung ist, da man nach einem Borschtsch durchaus satt ist und er eine vollwertige Mahlzeit darstellt.


Ein Teller voll Grünem Borschtsch


Wie für den Kvas, so gibt es auch für den Grünen Borschtsch hunderte von "richtigen" Rezepten. Der wichtigste Bestandteil ist aber der Sauerampfer (russisch "Schawel"), weshalb diese Suppe auch in Russland als Schawelsuppe bezeichnet wird. Der Sauerampfer gibt der Suppe den typischen, leicht sauren Geschmack und die grüne Farbe.

Eigentlich ist die Ukrainische Nationalspeise der Rote Borschtsch, dessen Hauptbestandteil die Rote Bete (auf gut Schweizerisch Randen) ist. Er ist sozusagen der grosse Bruder vom Grünen Borschtsch.

Nachfolgend nun ein Rezept für den Grünen Borschtsch, welches ich auf dem Internet gefunden habe (meine Frau wollte mir ihr Geheimrezept nicht verraten...):

Zutaten
  • 600 g Suppenfleisch vom Rind
  • 1 Bd. Suppengrün
  • 1 1/2 l Wasser
  • 250 g Rote Bete
  • 300 g Spinat
  • 200 g Sauerampfer
  • 500 g Kartoffeln
  • 1 Karotte
  • 1 Petersilienwurzel
  • 1 Zwiebel
  • 100 g Zwiebelgrün
  • 30 g Butter
  • 1 El. Mehl
  • 1 El. Tomatenmark
  • 2 Hartgekochte Eier
  • 1 Bd. Dill
  • 250 ml Saure Sahne
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 Lorbeerblatt
  • Essig
  • Zucker
Zubereitung

Aus Fleisch, Suppengrün und Salz eine Brühe zubereiten und abseihen. Geschälte, gehackte rote Bete in etwas abgeschöpftem Suppenfett mit Salz, Zucker, Essig und Tomatenmark weich dünsten. Karotte, Petersilienwurzel und Zwiebel hacken, in Butter anbraten, mit Mehl bestäuben und durchrösten. Spinat, Sauerampfer und Zwiebelgrün gut waschen und in feine Streifen schneiden. Kartoffeln würfeln und in der abgeseihten Brühe 10 bis 15 Minuten vorkochen. Die vorbereiteten Gemüse dazugeben, mit Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt würzen und alles zusammen weich kochen. Das gekochte Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden, in die Suppenteller verteilen und mit heissem Borschtsch auffüllen. Jede Portion mit einem halben gekochten Ei, gehacktem Dill und einem Tupfen saure Sahne garnieren.

Da kann ich nur noch "en Guete" wünschen!
  • Wikipedia über den Borschtsch: Link

Freitag, 2. Juni 2006

Sowjet BMW

Ein Auto, das man auf den Strassen von Kiew sehr oft sieht, ist der Wolga, im Volksmund auch als "Sowjet BMW" bekannt. Früher galt in den osteuropäischen Staaten der Wolga als der Mercedes des Ostens. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion hat er diesen Status – als Nobelauto aus eigener Produktion – zum Teil noch heute. Dies muss man auch im Vergleich zu den kleinen Ladas (=Sowjet Fiat) und Moskwitsch (=Sowjet Topolino) sehen.



GAZ Volga 31105 Sedan von der Seite
auf einem Trottoir in Kiew

Die sowjetischen und heute russischen Autos sind leider im Westen fast nicht bekannt, obwohl sie (zwangsläufig) sehr wintertauglich sind und ein spezielles Design haben. Das erste Auto mit dem Namen Wolga wurde im Jahr 1956 von der Firma "GAZ" produziert. Auf den Strassen Kiews sieht man dabei alle Beureihen: Von den 70-er Jahren bis heute und in unterschiedlichstem Zustand, wobei die älteren sicherlich nicht mehr in der Schweiz fahren dürften...


GAZ Volga 31105 Sedan von Vorne
auf einem Trottoir in Kiew

Das aktuelle Modell ist der GAZ Volga 31105 Sedan und man kreigt dieses in Deutschland ab EUR 17'290, sollte aber in der Ukraine und in Russland um einiges billiger sein, v.a. als Gebauchtwagen. Mir gefällt vor allem das "Retro-Design" an diesem Auto. Sollten wir länger als sechs Monate in Kiew bleiben, überlege ich mir ernsthaft, einen gebrauchten Wolga moderner Baureihe zu kaufen...
  • Website für den Wolga Verkauf in Deutschland: Link
  • Wikipedia über den Wolga: Link
  • Geschichte des Wolga(Englisch): Link